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Ein Bericht in Vigo BLEIB GESUND
"Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, muss
wirken und streben“, beginnt Friedrich Schiller sein Lied von der
Glocke. Verse aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, längst überholt?
Mitnichten. Das Selbstverständnis vom harten Kerl und Ernährer
prägt noch heute viele Männer. Doch aus gesundheitlicher Sicht
steht fest: Das starke Geschlecht schwächelt. Männer haben eine
statistische Lebenserwartung von 73 Jahren und sterben damit im Schnitt
sechs bis sieben Jahre früher als Frauen. Sie sind häufiger
chronisch krank und ziehen bei Problemen wie Bluthochdruck den Kürzeren.
Männergesundheit - eine Minusvariante der Natur? Was dann erklärt die schlechte Bilanz bei Adams Söhnen? Eine Ursache ist ein typisch männlicher Umgang mit den eigenen Ressourcen. “Im Vergleich zu den Frauen ernähren sich Männer schlechter, sie rauchen und trinken mehr, denken weniger an ihre Gesundheit und kennen ihre Körperdaten nicht. Den Blutdruck messen zu lassen, kommt bei vielen schon einem Eingeständnis von Krankheit gleich,“ weiß der Urologe und Sexualmediziner Prof. Dr. Günther Jacobi. Diese Laissez-faire-Haltung schlägt negativ zu Buche; die Volkskrankheiten Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes fallen bei Männern häufiger zusammen. “Mit diesem ’Trio Infernale’ haben sie tatsächlich schlechte Karten“, resümiert der Duisburger Facharzt.
Medizinmuffel Mann Darüber hinaus kennt Prof. Dr. Jacobi Kandidaten, die glauben, man könne eh nichts unternehmen. Oder die Probleme wie Potenzstörungen für eine normale Alterskrankheit halten, mit der sie leben müssen. Auch Urologe Dr. Dieter J. Brück vom AOK-Servicecenter Clarimedis ist erstaunt, wie groß die Unsicherheit männlicher Patienten auf vielen Gebieten ist. “Zum einen resultiert sie sicher aus dem fehlenden Interesse für die eigene Gesundheit. Aber sie hängt ebenso mit dem ’delikaten Thema’ zusammen. Noch immer bestehen im Bereich Männergesundheit zahlreiche gesellschaftliche Tabus, die beseitigt werden müssen.“
Brauchen wir einen Männerarzt?
Forschung vorantreiben
Dafür kündigt sich in der Bevölkerung allmählich eine Trendwende an. So kamen zum ersten Duisburger Männergesundheitstag 2002 im März wesentlich mehr Männer - und auch Frauen - als erwartet und nutzten kostenlose Früherkennungs-Untersuchungen. Initiiert hatte das Laien- und Ärzteforum Prof. Dr. Jacobi als Vorsitzender des Allgemeinen Vereins für Urologie und urologische Onkologie Rhein-Ruhr (AVUR). Auch für die Vorsorge warben die Mediziner. Denn die kommt noch vor der Früherkennung und beginnt im Privaten: Gute Ernährung, ausreichend Bewegung, Stressmanagement und ein funktionierendes soziales Netz helfen, gar nicht erst krank zu werden. Die Herren der Schöpfung können ihre im Vergleich zu den Frauen schlechtere Gesundheitsbilanz also durchaus ändern. “Dem Manne kann geholfen werden“, um es noch einmal mit Schiller zu sagen.
Die Leiden der Männer Diabetes mellitus: Risikofaktoren für eine Zuckerkrankheit sind Übergewicht, wenig Bewegung, viel Stress, Rauchen und Bluthochdruck. Adipositas: Übergewicht steigert das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist nach dem Rauchen die häufigste Todesursache. Gutartige Prostatavergrößerung: Die urologische Erkrankung, die etwa 30 Prozent aller Männer in ihrem Leben entwickeln. Prostatakrebs: Nach dem Lungen- und vor dem Dickdarmkrebs die häufigste Tumorerkrankung. Sexualstörungen: 20 Prozent aller Männer leiden in unterschiedlichem Umfang an einer Potenzstörung. Hormonprobleme: Veränderungen wie ein sinkender Testosteronspiegel im Alter können die Gesundheit beeinträchtigen. Hodentumor: Er macht nur 1 Prozent der Krebserkrankungen aus, ist aber der typische Tumor in der Altersgruppe von 20 und 35 Jahren.
Von Söhnen und Jägern
Es gibt zwei Haupttypen: Der “eingebildete Kranke“ jammert, er sei krank, und setzt das in der Beziehung ein. Er will erreichen: kümmere dich um mich. Der “Arnold Schwarzenegger“ ist dagegen der starke Mann, der keine Schwächen zeigt und Krankheit verdrängt. Beide gehen nicht zur Vorsorge. Der erste braucht die Krankheit, weil er sie in der Partnerschaft funktionalisiert hat. Der zweite weist krank sein von sich. Es gibt auch Mischtypen und Pendler, etwa die, die nie krank sind - und wenn doch, dann gleich sterbenskrank. Warum leben sie riskanter als Frauen? Männer haben nicht so wie Frauen gelernt, für sich selbst zu sorgen. Sie definieren sich nach außen über Leistung. Im Privaten ist dagegen die Lust auf Loslassen und Befriedigung groß. Das führt zu einer riskanteren Lebensweise. Viele Managertypen etwa sind suchtgefährdet. Zugleich sind Männer wenig sensibel für ihren Körper, über- oder unterbewerten Signale. Auch das beeinflusst den Lebensstil. Frauen haben durch Monatsblutung oder Schwangerschaft eine engere Beziehung zu ihrem Körper. Wie weit greifen dabei männliche Rollenbilder? Körpersensibilität wird dem Mann durch Erziehung abtrainiert. Einerseits wirkt das Beziehungsmuster Mutter-Sohn: Die Frau hat für ihn zu sorgen. Andererseits sehen sich Männer als Jäger und Krieger oder Intellektuelle. In allen Fällen vernachlässigen sie ihren Körper. Lange galt ein sich pflegender Mann sogar als Weichei. Das ändert sich zum Glück langsam. Was sollten Männer ihrer Gesundheit zuliebe beherzigen? Sie sollten sich fragen: Was heißt es eigentlich, “Mann“ zu sein? Denn das bedeutet: Sorge zu tragen, Verantwortung für sich und seine Gesundheit zu übernehmen, der Realität ins Auge zu sehen - und rechtzeitig zum Arzt zu gehen.
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