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Schon in der antiken Mythologie, so beim ägyptischen Osiris oder beim phönizischen Adonis und beim biblischen König David wird Impotenz zum Thema. Die wohl erste klinische Beschreibung männlicher Impotenz findet sich auf einer 4000 Jahre alten ägyptischen Papyrusrolle. In Mesopotamien wurden Mixturen und Pulver hergestellt, die bei Potenzproblemen Abhilfe schaffen sollten. Im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung beschrieben sowohl Hippokrates (ca. 460-370 v.Chr.) als auch Aristoteles (384-322 v.Chr.), einige Jahrhunderte später auch der römische Mediziner Galen (129-199) die Impotenz. Die medizinhistorische Forschung hält viele Beispiele für erwiesene oder doch zumindest anzunehmende Impotenz parat. Nicht immer wurde exakt zwischen impotentia coeundi (mangelnde Beischlaffähigkeit) und impotentia generandi (Zeugungsunfähigkeit) unterschieden. Sowohl bei Nero (37-68) als auch bei Martial (40-103) gab es Diskussionen um ihre Potenz. Mittelalterliche Beispiele dafür sind Mohammed (um 570-632), die sogenannte "Josephsehe" von Heinrich II. (973-1024), Johann Heinrich von Luxembourgs (1322-1375) Ehe mit Margaretha Maultasch, die 1341 getrennt und 1349 kirchlich aufgelöst wurde, sowie Heinrich IV. König von Kastilien (1425-1474), der sogar "El Impotente" genannt wurde. Für die Neuzeit sind u.a. zu nennen: Paracelsus (1493-1541), Voltaire (1694-1778), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Friedrich II. der Große (1712-1786), Immanuel Kant (1724-1804), Ludwig XVI. von Frankreich (1754-1793), Heinrich von Kleist (1777-1811), Adolph von Menzel (1815-1905), Gustave Flaubert (1821-1880), Lewis Carroll (1832-1898), Johannes Brahms (1833-1897), George Bernard Shaw (1856-1950) und Marcel Proust (1871-1922). Wie wichtig Männern eine intakte Sexualfunktion ist Gegenstand exakter Erhebungen an mehreren Tausend Personen:
Schätzungsweise zwanzig Prozent aller Männer in der Bundesrepublik Deutschland leiden an Störungen der Erektionsfähigkeit verschiedenen Schweregrades. Um den herabwürdigenden Begriff Impotenz (Unfähigkeit) zu vermeiden, wird in der Fachsprache der Terminus erektile Dysfunktion (ED) verwendet und ist allgemein anerkannt. Potenzstörungen nehmen im Alter zu.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die ED als die Unfähigkeit definiert, eine ausreichende Erektion des Penis zu erreichen und / oder aufrechtzuerhalten, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Noch weiter präzisierend müssen für eine solche klassifizierende Aussage siebzig Prozent der Versuche während der letzten sechs Monate, einen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, frustrierend verlaufen sein. In den 2001 veröffentlichten Leitlinien der Deutschen Urologen liegt eine ED erst dann vor, wenn sie chronisch ist und ein halbes Jahr oder länger besteht. Demnach gehört zur normalen erektilen Funktion sowohl, dass eine Gliedversteifung möglich ist, als auch, dass sie aufrecht zu erhalten ist und dass ein befriedigender, erfolgreicher Verkehr daraus resultiert. Dass bei allen diesbezüglichen Statistiken hohe Dunkelziffern zu erwarten sind, liegt auf der Hand. Wenig hilfreich erscheinen solche Definitionen für den individuellen Mann, der akute Probleme hat und den nur ein zentrales Problem interessiert: wie kann er seine Partnerin und sich sexuell zufrieden stellen?
Die Häufigkeit der ED nimmt mit dem Alter zu. Eine amerikanische Arbeitsgruppe in Boston hat unter Erfassung aller Schweregrade der ED 39% der 40-jährigen und 67% der 70-jährigen Männer Erektionsprobleme identifizieren können. Besonders die komplette Impotenz nimmt ab dem 60. Lebensjahr sprunghaft zu, wie untenstehende Graphik verdeutlicht. Impotent im Sinne des deutschen Sprachgebrauchs, d.h. nicht mehr in der Lage eine Erektion aufzubauen, sind etwa 17%. Eine deutsche Arbeitsgruppe zeigte bei einer Befragung an 4500 Männern, dass 20% der Befragten mit einem mittleren Alter von 52 Jahren unter einer ED litten. Bemerkenswert in dieser Untersuchung ist, dass nur ein Drittel der Betroffenen eine Therapie wünschten.
Impotenzursachen vielfältig So uneinheitlich wie der individuelle
Leidensdruck, so vielfältig sind die Ursachen, die zu einem Potenzverlust oder
einer Erektionsschwäche führen. Grob wird zwischen organischen
Ursachen und psychisch bedingten oder fortgeleiteten Gründen unterschieden.
Häufig vermischen sich diese nur scheinbar grundsätzlich unterschiedlichen
Untergruppen. Bezüglich der unterschiedlichen Ursachen sind immer
wieder bestimmte Altersmuster festzustellen: Bei junge Männern stehen
eher psychogene, im weitesten Sinne stressbedingte Ursachen im Vordergrund,
während bei älteren Männern organische Ursachen dominieren.
Die Domäne der vaskulären Ursache bildet die Arteriosklerose. Diese tritt entweder als eigenständiges Krankheitsbild oder als Folge der Zuckerkrankheit auf. Bei häufiger als jedem fünften Mann ist die Potenzschwäche erstes auffälliges Symptom einer bisher unbekannten Arteriosklerose. An erster Stelle der Arzneimittel, die als unerwünschten Effekt eine ED verursachen können, stehen Bluthochdruckmittel. Eigentlich sind - mit unterschiedlicher Ausprägung - alle Antihypertensiva in der Lage, der Potenz Schaden zuzuführen. Psychische Ursachen betreffen sowohl Partnerkonflikte und Persönlichkeitsstörungen als auch Anpassungsstörungen bei Dystress und Burnout. Zu den vielfältigen neurogenen Ursachen zählen in erster Linie die Polyneuropathie bei der Zuckerkrankheit sowie verschiedene Hirn- oder Rückenmarkserkrankungen. Zu den anderen Erkrankungen und Noxen zählen alle schweren, den Organismus schwächenden Krankheiten, Drogen und Nikotin sowie Alkoholmissbrauch. Viel seltener als in Männerkreisen angenommen spielen erniedrigte männliche Hormone bei der Ursache von sexuellen Potenzstörungen eine Rolle. Insbesondere vaskuläre, neurogene und medikamententoxische Ursachen können zu Mischformen der Potenzstörung führen und sich negativ verstärken.
Die normale Erektion des Mannes Ein sexuellen Reiz etwa über die Sinnesorgane führt über bestimmte Zentren im Gehirn zu einer sogenannten Wirkkaskade, an deren Ende über die Nervenleitung zum Erfolgsorgan der Erektion, den Penisschwellkörpern, die Regulation von erhöhter Blutzufuhr und gedrosseltem Blutabfluss steht. Dieser sehr komplizierte Wirkmechanismus, der teilweise "chemisch“, d.h. durch bestimmte Botenstoffe im Blut, teils "zentralnervös“, also über Nervenbahnen, schließlich auch über hormonelle Steuerungen abläuft, ist in folgender Abbildung dargestellt.
Die typischen Angriffspunkte der sexuellen Reizleitung im zentralen Nervensystem sind das Sehen, das Riechen, das Betasten und die bildliche Vorstellung. Im Idealfall führen alle vier Reizübertragungen zur sexuellen Stimulation und zur Erektion. Die Ursachen für eine ED liegen immer irgendwo
auf den oben genannten Wegen der Erektionsentstehung: im Bereich der sexuellen
Reizbarkeit, der seelischen Ebene oder der Sinnesorgane, im Bereich des
Nervensystems, auf der Ebene der männlichen Hormone oder am blutzuführenden
und -abführenden Gefäßsystem. Die Urologen sprechen von
psychogener, neurogener, hormonbedingter oder vaskulärer ED. Die
häufigste organische Ursache sind Gefäßveränderungen, Diabetes,
und die durch bestimmte Operationen bedingten Erektionsstörungen. Die Rate der psychogenen Ursachen variiert
stark, da sich hier auch psychosomatische Komponenten überlappen.
Wichtige organische Ursachen
betreffen vor allem die Gefäße, direkt gefolgt von der wichtigen Gruppe der Männer
mit Diabetes mellitus. Die Zuckerkrankheit vereinigt im Pathomechanismus
der sexuellen Potenzstörung die Komponenten der Gefäßerkrankung
wie die der generalisierten Nervenbeteiligung.
Diagnostische Abklärung bei Potenzstörungen
Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese):
Der Wertigkeit entsprechend stehen die Medikamente zur Blutdrucksenkung an oberster Stelle der Skala. Nicht immer sind negative Auswirkungen auf die männliche Potenz im Beipackzettel der Medikamente vermerkt. Diagnostik der erektilen Dysfunktion:
Behandlungsmöglichkeiten der Potenzstörung
Zweifelsohne spielt heute die Substanzgruppe der modernen Hemmer des Enzyms Phosphodiesterase-5 (PDE5-Hemmer) die größte Rolle in der Behandlung der betroffenen Männer. Hierzu zählen Viagra® (Sildenafil) und die beiden soeben eingeführten Medikamente Levitra® (Vardenafil) und Cialis® (Tadalafil). Vardenafil kann heute als therapeutischer Standard angesehen werden, da Wirksamkeit und Verträglichkeit in einer sehr guten Balance stehen. Die hier gezeigte Graphik soll einen Eindruck vermitteln, wie in großen Patientenstudien an mehreren Tausend Patienten die Wirksamkeit ansteigender Dosierungen von Vardenafil gegen ein Scheinmedikament (Placebo) erfolgreich getestet wurde.
Insbesondere Männer mit Diabetes mellitus, die nicht selten zu den jüngeren gehören, profitieren sehr von den oben genannten als Tabletten einnehmbaren Mitteln. Durch Vardenafil lässt sich bei zwei Dritteln der Diabetiker die Erektion zufriedenstellend verbessern. Unten stehende Graphik veranschaulicht dies auf einer wissenschaftlichen Basis.
Die Nebenwirkungen solcher Potenzmittel sind bei sachgemäßer Einnahme und sorgfältiger Würdigung von Patientenrisiken durch den Arzt sehr gering. Die genannten Mittel dürfen nicht als Lebensstildrogen aufgefasst werden. Es handelt sich um Arzneimittel im strengen Sinne. Daher halten auch Sexualmediziner eine Beschaffung solcher Therapeutika durch Dritte, über den Versandhandel im Internet oder über andere Kanäle für nicht vertretbar.
Zum Abschluss ein Wort zu Geschlechtshormonen
Wie in der Tabelle dargestellt hat neben Testosteron aber nur noch das männlich geschlechtswirksame (androgene) Dehydoepiandrosteron (DHEA) aus der Rindenzone der Nebennieren eine gewisse biologische Bedeutung für die normale Ingangsetzung einer Erektion. Alle anderen Hormone, die gern mit dem Sexualleben in Verbindung gebracht werden, sind für die Erektion bedeutungslos.
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