|
Männergesundheit
"Es ist ein Paradox, dass die Männer zwar als Norm gelten, anhand
derer die Gesundheitsbedürfnisse der Frauen gemessen werden, dass
wir aber über die tatsächlichen Gesundheitsbedürfnisse
der Männer weniger wissen als über diejenigen der Frauen".
Williamsen zitiert in Werner, M. [2000],
Männergesundheit
- ein öffentliches Thema?
Ein Forschungsthema?, in: Dialog 2000 Lindenhof Schule, Heft 9, S.15-19,
Bern
Frauen forschen für Frauen. Forschen Männer auch für Männer?
Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen tun sie dies und mit welcher
Motivation? Heute ist ein geschlechtsspezifischer Fokus in der Gesundheitsforschung
noch zu verneinen. Sicher haben Männer einen anderen Zugang, ein
anderes Empfinden, einen anderes Verständnis, wenn es um ihre
Gesundheit und körperliche und seelische Integrität geht.
Wer sich tagtäglich
professionell mit Männern zu befassen hat, ist geneigt, die Kausalkette
der drei Ks - Karriere, Konkurrenz, Kollaps
- für Männer sehr wohl zu reklamieren. Identitätsprobleme
des Mannseins schlagen sich häufig auf ihre Gesundheit nieder.
Unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten ist dieser Themenbereich
jedoch
bisher kaum erforscht. Denn Gesundheit wird mit dem sozialen Geschlecht
(Gender) noch so stark in Verbindung gebracht, dass eine Beschäftigung
damit Männer in den Ruf mangelnder Männlichkeit bringen
würde.
Eine geschlechtsspezifische Gesundheitsforschung versteht sich aber als
kritische Ergänzung zu einer feministisch orientierten Frauenforschung,
da das Geschlechterverhältnis als Macht- und Gewaltverhältnis
von Männern gegenüber Frauen verstanden wird. Hierbei
gerät
der Begriff des Gender Mainstreaming in den Blick. „Gender“
meint soziales Geschlecht. Sowohl im Vertrag von Amsterdam 1997 als auch
in dem neu gefassten Artikel 3 des EG-Vertrages hat die Europäische
Gemeinschaft den Grundsatz einer integrierten Chancengleichheitspolitik
verankert und für die Mitgliedstaaten verbindlich gemacht. Gleichstellung
von Frauen und Männern wird danach als Ziel der Gemeinschaft benannt
und anerkannt. Gender Mainstreaming ist also eine neue Herangehensweise,
bei der in allen Problemanalysen und damit auch bei Fragen von Krankheit,
Gesundheit und Prävention und den daraus resultierenden konzeptionellen
Überlegungen die Geschlechterfrage jeweils mit gestellt wird muss.

|