Krankheitsvorbeugung am Beispiel des Prostatakrebs
Bei vielen Krebskrankheiten ist der Ursprung und die Entstehungsweise
weitgehend unbekannt. Andere wiederum lassen vermuten, dass wir selbst
ursächlich am Risiko ihres Auftretens beteiligt sind. Bei einigen
Krebsarten wissen wir, dass es im wesentlichen aber drei Faktoren sind,
die zusammen das Risiko, an dem betreffenden bösartigen Tumor zu
erkranken, bestimmen.
Diese Determinanten sind:
- Genetische Prädisposition
(Veranlagung);
- Umwelteinflüsse,
denen wir ausgesetzt sind (z.B. Strahlung);
- Risikofaktoren, denen wir uns durch unser Verhalten
selbst aussetzen (Lebensstil, Lebenswandel).
Am besten dokumentiert ist der Faktor Lebenswandel bei
der Entstehung des Lungenkrebs im Zusammenhang mit dem Rauchen.
Wir haben jedoch in den letzten Jahren immer mehr Hinweise und Belege
dafür, dass Prostatakrebs und Brustkrebs bösartige Tumoren sind,
deren Entstehung wir durch bestimmte präventive Verhaltensweisen,
kurz - durch einen Wandel im Lebensstil - verzögern oder verhindern
können. Diesem Ansatz soll hier am Beispiel des Prostatakrebs nachgegangen
werden.
In Deutschland werden pro
Jahr etwa 31.500 neue Fälle von Prostatakrebs entdeckt.
Er ist seit ein paar Jahren der am häufigsten diagnostizierte bösartige
Tumor beim Mann.
Krebserkrankungen sind stärker von Umwelteinflüssen
geprägt als lange angenommen. Eine Forschergruppe des Karolinska-Insituts
in Stockholm legte im Jahr 2000 eine Studie an 44.788 Zwillingspaaren
vor. Interessanterweise war bei allen untersuchten bösartigen Krankheiten
der genetische Einfluss nur gering oder gar nicht vorhanden. Statt dessen
belegten die Studienergebnisse vor allem bei Dickdarmkrebs, Brustkrebs
und Prostatakrebs den Einfluss von Umweltfaktoren. Zudem legen Untersuchungen
der Genexpression für den Sexhormon-Stoffwechsel an Hochrisikomännern
(schwarze Amerikaner) und Niedrigrisikopopulationen (Japaner) nahe, dass
Lebensstilfaktoren wie u.a. die Ernährungsgewohnheiten einen Einfluss
auf das Prostatakrebsrisiko haben können. Der Erkrankung an Prostatakrebs
kann somit vorgebeugt werden.
Vorsorge bedeutet zum
einem: je eher der Tumor entdeckt wird, desto besser stehen die Heilungschancen.
Zum anderen haben wir die Möglichkeit, Umweltfaktoren und vor allem
einen für die Krebsentstehung riskanten Lebensstil zu beeinflussen.
Ursachen und Risikofaktoren
Alter
Prostatakrebs ist - was die klinische Manifestation anbelangt - eine
Alterserkrankung. Das heißt, dass die Einwirkungsdauer krebsfördernder Einflüsse
in Verbindung mit der Abnahme der Reparaturfähigkeit des menschlichen
Organismus im Alter eine wesentliche Rolle spielen. Aber bereits ab dem
40. Lebensjahr kommt es in der Prostata zu winziger Zellentartung, die
aber als Krebs so gut wie nie erkannt wird. Mit zunehmenden Lebensjahren
steigt das Erkrankungsrisiko immer mehr an, beginnen also die Symptome.
Mehr als 90 Prozent der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose über
60 Jahre alt.
Genetische Faktoren
Welche Bedeutung den genetischen Faktoren bei der Entstehung von Prostatakrebs
zukommt, ist in der Forschung zur Zeit sehr umstritten. In der Vergangenheit
wiesen die Krebsforscher gerade bei Prostatakrebs der Vererbung eine
zentrale
Bedeutung zu. Neuere Forschungsergebnisse sind mitunter widersprüchlich,
da sogenannte epidemiologische Studien mit genetischem Fragedesign stets
gegen andere konkurrierende Krebsrisiken wie Rauchen, fettreiche Ernährung
oder Vitaminmangel - um nur einige zu nennen - adaptiert werden müssen.
Eine Adaptierung ist selbst in großen Erhebungen an Tausenden von
Männern oft nicht berücksichtigt. Fest steht, dass bei Männern,
deren Brüder oder Väter an Prostatakrebs starben, bis zu fünfmal
häufiger ein Prostatakrebs entdeckt wird als an familiär unbelasteten
Männern. In Kenntnis dieser Entdeckung unterziehen sich heute solche
Hochrisikomänner häufiger Krebsvorsorgeuntersuchungen als früher.
Da der Brustkrebs der Frau und der Prostatakrebs des Mannes viele den
Stoffwechsel der Geschlechtshormone betreffenden und damit biochemische
und genetische Ähnlichkeiten aufweisen, werden auch hier familiäre
Risikobelastungen vermutet. Aber auch bei dieser Frage vermischen sich
Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Laboruntersuchungen an bestimmten Stellen
im Genom (z.B. Gen HPC2) sind derzeit ohne praktische Bedeutung für
das Männerverhalten.
Männliche Sexualhormone
Sie sind für die normale Entwicklung und Funktion der Prostata als
quasi Wuchsstoff unerlässlich. Wichtigster Vertreter ist das Testosteron.
Führen sich Männer trotz normaler Hormonsituation Testosteron
zum Zweck des Muskelaufbaus oder zur Leistungssteigerung im Sport langfristig
zu, so stimulieren sie die Prostata. Dies kann zu einem Wachstumsschub
der Prostata und eventuell sogar zur Krebsentartung führen. Eine
Testosteroneinnahme ohne triftigen medizinischen Grund und ohne ärztlichen
Rat ist schon deshalb für Männer gefährlich.
Auch die derzeit viel beworbene "Wunderdroge DHEA“, das Steroidhormon
Dehydroepiandrosteron, das natürlicherweise in der Hormonrinde der
Nebennieren vorkommt und ebenfalls eine vermännlichende (androgene)
Wirkung hat, ist wahrscheinlich bei Risikogruppen problematisch. Langzeituntersuchungen
an Männern nach der Lebensmitte fehlen allerdings noch.
Gutartige Prostatavergrößerung
Einen direkten Zusammenhang zwischen der gutartigen Prostatavergrößerung
BPH und dem Prostatakrebs gibt es nicht. Die BPH (benigne Prostatahyperplasie)
tritt sehr häufig ab dem 50. Lebensjahr auf. Bei vielen Männern
bleibt sie durch Abschwächung des Harnstrahls und andere Beschwerden
beim Wasserlassen eine reine Lästigkeit. Gut die Hälfte der
älteren Männer benötigen jedoch irgendwann einmal Medikamente
oder sogar eine entlastende Operation. Dann ist die BPH eine Krankheit
geworden. Einen Übergang von einer gutartigen Veränderung namens
BPH in eine bösartige Situation namens Prostatakrebs gibt es nicht.
Beide Krankheiten treten nebeneinander auf. Trotz zunächst vergleichbarer
Beschwerden bedürfen sie grundsätzlich anderer Behandlungen.
Ernährung und Lebensführung
Die wissenschaftlichen Hinweise über die Rolle der Ernährung
bei der Entstehung und Ausbreitung von Prostatakrebs sind derzeit noch
nicht beweisend. Zahlreiche Untersuchungsergebnisse legen jedoch nahe,
dass Ernährung und Lebensführung die weltweit ausgesprochen
unterschiedlich verteilten Krebsraten entscheidend mitbedingen. Schätzungen
amerikanischer Wissenschaftler zufolge könnten ungefähr 75 Prozent
aller Prostatatumoren durch frühzeitige Veränderung im Ernährungsverhalten
und der Lebensführung verhindert werden.
Das menschliche Zellsystem benötigt ein ausgewogenes
Gleichgewicht zwischen dem Oxidationspotential, also der Energiespende
des Sauerstoffs, und körpereigenen und durch die Nahrung zugeführten
Gegenspielern. Diese nennt man Antioxidantien. Ein gewisses Maß
an übersättigtem Sauerstoff und freien Radikalen ist biologisch
notwendig. Ein für die Zelle gefährliches Ausmaß an freien
Sauerstoffradikalen kann durch Radikalenfänger (Antioxidantien) aus
Zellschutzgründen neutralisiert werden. Denn zu viel an freien Radikalen
führt zu sogenanntem oxidativer Stress in der Zelle. Dieser wiederum
spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krankheiten, vor
allem bei der Entstehung von Krebs. Antioxidantien hingegen schützen
unsere Körperzellen vor diesen krebsbegünstigenden Einflüssen.
Folgende Faktoren beeinflussen
eine übermäßige
und somit schädliche Bildung und Wirkung von freien Sauerstoffradikalen:
Beruf:
- Stress, viele Reisen
- Keine Bewegung (Bildschirmjob)
- Wenig frische Luft
- Wenig Abwechslung, schlechtes Betriebsklima, Mobbing
- Überforderung,
Unzufriedenheit
- Unklare Zukunft, Pensionsangst
Eine berufliche Exposition
zu krebserzeugenden Stoffen während des Arbeitsprozesses spielt dank strikter Grenzwerteinhaltung
und einer effizienten arbeitsmedizinischen Überwachung in den westlichen
Industrienationen heute kaum mehr eine Rolle.
Ernährung:
- Schnellimbiss oder Kantinenessen
- Süßigkeiten
oder Soft Drinks
- Kein tägliches Obst und Gemüse
- Tierische Fette
- Nicht frische Produkte
- Essen als reine Kalorienaufnahme
Selbst zugeführte Gifte:
- Regelmäßiges
Alkoholtrinken ohne Genussziel
- Rauchen
Freizeitgestaltung:
- Wenig Sport
- Wenig frische Luft
- Schlafmangel (d.h.
häufig unter 6
Stunden)
- Viel Autofahren
- Einsamkeit, keine Freunde
- Häufiges Fernsehen
oder am PC sitzen
- Langeweile, keine Hobbys
Obige nicht auf Vollständigkeit abzielende Aufstellung zeigt, dass
der Lebensstil im weitesten Sinne, also der individuelle Lebenswandel
maßgeblich über Gesundheit und Krankheit, also auch über
Krebs entscheidet.
Daher wird in Zukunft
die Präventive
Verhaltensmedizin immer mehr an Bedeutung erlangen.
Prävention
Antioxidantien
Die wirksamsten Antioxidantien - also Schutzstoffe gegen freie
Radikale - sind die Vitamine C, E, das Beta-Carotin (ein so genanntes
Vitamin A-Provitamin), sowie die Spurenelemente Selen und Zink.
Selen erhöht die natürlichen
Widerstandskräfte des Körpers: es schützt vor Zellgiften,
welche unsere Erbinformation schädigen können, vor übermäßigen
freien Radikalen, vor giftigen Schwermetallen wie Cadmium und Molybdän
sowie vor krankmachenden Viren und Bakterien. Einen hohen Selengehalt
haben zum Beispiel Fisch (vor allem Rotbarsch, Bückling, Hummer,
Scholle, Thunfisch), Eigelb, Kokosnüsse, Steinpilze, Kohlrabi und
Weizen.
Zink erfüllt wichtige
Funktionen in der Verhinderung von Zellkernveränderungen, die zu
einer Krebsentartung führen könnten. Starker Zinkmangel schwächt
die natürliche Immunabwehr des Organismus gegen drohende Organschäden
und bösartige Zellveränderungen. Den mit Abstand höchsten
Zinkgehalt haben Austern. Abgesehen davon ist Zink unter anderem in Shrimps
oder Garnelen, Meeresfischen, Kalb- und Rindfleisch oder Molke enthalten.
Ihre optimale Wirksamkeit entfalten die Antioxidantien
in „biologischer Zusammenarbeit“. So wirkt zum Beispiel die
kombinierte Einnahme von Selen und Vitamin E stärker in der Prostatakrebsprophylaxe
als einer der beiden Stoffe für sich allein.
Die jeweilige Dosierung hängt dabei vom individuellen
Bedarf ab. Der Bedarf ist - abgesehen von einer Mindestzufuhr, die durch
eine durchschnittliche Ernährung stets gewährleistet ist - abhängig
von besonderen Zuständen. Ein erhöhter Bedarf an Antioxidantien
besteht bei
- Krebserkrankungen per se;
- Chemotherapie oder Bestrahlung bei Krebs;
- akuten Infektionen;
- Störungen des
Immunsystems (z.B. durch Allergien);
- chronischen, sogenannten konsumierenden Erkrankungen (z.B. Tuberkulose);
- Mangelernährungszuständen;
- psycho-vegetativem und sozialem Stress;
- Suchtmitteln wie Drogen, Nikotin und Alkohol;
- bestimmte Medikamente (Chemotherapeutika und andere als Zellgift wirkende
Arzneimittel).
Ernährung und Lebensweise
Studien bezüglich der weltweiten Prostatahäufigkeit
belegen ein relativ niedriges Krankheitsvorkommen in Südost-Asien,
gefolgt von den Mittelmeerländern Italien, Griechenland und Spanien
sowie Portugal. Eine deutlich höhere Erkrankungsrate weisen Mittel-
und Nordeuropa, Kanada und Australien auf. Die höchsten Raten sind
in USA zu finden und dort bei afroamerikanischen Männern. Da genetische
und hormonelle Unterschiede trotz umfassender Untersuchungen nicht auszumachen
waren, liegt die Vermutung nahe, dass bei Asiaten und Mittelmeerbewohnern
eine Lebensweise vorherrscht, die deutlich seltener zu Prostatakrebs führt
als bei Männern in Mittel- und Nordeuropa oder den USA.
Die Ernährung spielt dabei
eine wesentliche Rolle:
- Ballaststoffreiche Nahrungsmittel führen
zu einer nachgewiesenen Verringerung frei im Blut zirkulierender aktiver
Hormone (Testosteron und Östrogene), Stoffe, die das Prostatawachstum
anregen. Außerdem haben Getreideprodukte einen hohen Gehalt an
dem wertvollen Provitamin-A (ß-Carotin und Coratinoide).
- Obst und Gemüse enthalten
neben zahlreichen Nährstoffen Vitamine, die antioxidativ wirken. Zu den
bekannt wirksamen sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativem
Effekt zählen die Carotinoide. Es sind dies Carotin (in Möhren),
Lykopen (in Tomaten, am höchsten in verarbeiteten Früchten)
und Epigallo-Catechingallat (im grünen Tee), um nur wenige aus
einer großen Substanzgruppe zu nennen. In Bezug auf eine Prostatakrebsprävention
liegen über Lykopene die schlüssigsten Daten vor. Demnach
kann der tägliche Verzehr von Tomatensaft, Tomatensoße und
Ketschup ein Prostatakrebs auf lange Sicht verhindern.
- Mehr Fisch als Fleisch:
den im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren (Seefisch) kommt eine allgemein
schützende Wirkung zu. Das gleiche gilt für Omega-9-Fettsäuren
(Olivenöl). Fleisch hat einen wechselnd hohen Gehalt an Cholesterin.
Es gibt schlüssige Hinweise dafür, dass die Höhe der
chronischen Cholesterinaufnahme mit dem Prostatakrebs-Risiko korreliert.
Die Empfehlung ist dahingehend, den Fleischkonsum zu reduzieren und
hellem Fleisch (z.B. Geflügel) statt rotem den Vorzug zu geben.
- Täglicher Verzehr
von Sojaprodukten bewirkt
eine hohe Aufnahme von Phytoöstrogenen. Phytoöstrogene
sind hormonartige Mikronährstoffe, die eine antihormonelle Wirkung
ausüben. Dies könnte für die Prostata im Sinne einer
Unterdrückung des Hormonstoffwechsels von Bedeutung sein. Außerdem
enthalten diese Phytoöstrogene hochaktive Substanzen wie Genistein
und Deidzein, bei denen eine mittelbare und unmittelbare Antikrebswirkung
nachgewiesen wurde. Sie beeinflussen nicht nur giftige Abfallstoffe
in unserem Magen-Darm-Trakt und verlangsamen das Krebszellwachstum
in
der Prostata, sondern wirken auch direkt gegen bereits etablierte Krebszellen
im Organismus.
- Wertvolle Phytoöstrogene vom
Typ der Lignane sind in relativ hoher Konzentration in vielen Ölsamen
(Leinsamen, Sesam), Weizen, ungeschältem Reis, Kohlgemüse
(Brokkoli) und einigen Früchten (zum Beispiel Ananas) vorhanden.
Insgesamt lassen sich folgende vorbeugende Maßnahmen gegen Prostatakrebs
zusammenfassen:
- Kein Nikotin, Alkohol
in Maßen
und mit Genuss, am besten Rotwein.
- Regelmäßige körperliche Bewegung
in gesunder Umgebung. (zum Beispiel wandern, laufen, Fahrrad fahren,
schwimmen oder Gymnastik). Sie sollte Spaß machen und nicht überanstrengen.
- Erlangung und Erhaltung
eines Körpergewichts
in Richtung Idealgewicht (siehe Body-Mass-Index)
- Ernährung nach den oben genannten Richtlinien,
das heißt täglich mehrmals Obst oder Gemüse, immer möglichst
frisch, wenig Fleisch, viel Fisch, täglich ungefähr zwei Liter
trinken, keine festen Diäten: Essen soll ein Genuss bleiben
und ein soziales Ereignis darstellen.
- Verwenden Sie bei
Bedarf geeignete Ernährungszusatzstoffe
(Vitamine, Spurenelemente, Isoflavonoide aus Soja). Art, Dosierung und
Zusammensetzung von Nahrungszusätzen müssen dabei in Abhängigkeit
von individuellen Risikofaktoren und Ernährungsgewohnheiten von
Ihrem Arzt ermittelt und kontrolliert werden. Bei langfristigen Überdosierungen
(sogenannte Vitamin-Megadosen) können mitunter Organschäden
auftreten.
Krebsvorsorgeuntersuchung
Im heilbaren Anfangsstadium
bereitet Prostatakrebs so gut wie nie Symptome. Macht sich die Erkrankung
durch Beschwerden beim
Wasserlassen oder Schmerzen bemerkbar, sind die Behandlungsmöglichkeiten
bereits deutlich begrenzt. Deshalb kommt den Vorsorge-Untersuchungen eine
ganz entscheidende Bedeutung zu. Männer ab dem 45. Lebensjahr sollten
deshalb einmal jährlich eine Prostata-Vorsorgeuntersuchung vornehmen
lassen.
Die Tastuntersuchung
hilft bei der Früherkennung von Prostatakrebs nicht.
Da die Prostata vom Enddarm aus mit dem Finger gut zu ertasten ist,
kann
der Urologe auf diese Weise zwar bereits kleine Unregelmäßigkeiten
und Verhärtungen feststellen, diese bedeuten dann aber eigentlich
immer ein schon fortgeschrittenes Stadium. Die alleinige Fingerbetastung
kann also durchaus als "Prostataspäterkennungsmaßnahme“
bezeichnet werden. Daher muss heute im Sinne der Früherkennung mit
Möglichkeit der Krebsheilung dringend für eine verfeinerte Vorsorge
durch PSA-Test im Blut und Ultraschalluntersuchung plädiert werden.
Der PSA-Test
ist heute ein zwingender Bestandteil einer adäquaten Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung.
Denn mit der Bestimmung des PSA (prostataspezifisches Antigen) lässt
sich heute eine treffgenaue Früherkennung im noch heilbaren Stadium
erreichen. Dies trifft für die alleinige Fingerbetastung der Prostata
vom Enddarm her nicht zu! PSA ist ein Eiweißstoff, der nur von der
Prostata - und hier bevorzugt von bösartigen Zellen - gebildet wird.
In der gesamten Medizin gibt es keinen Labortest und kein bildgebendes
Verfahren, mit welchem bestimmte Krebsarten mit 100% Treffsicherheit nachweisbar
wären. Heute verfügen wir mit der PSA-Bestimmung und der darauf
folgenden Prostatagewebsprobe über Diagnoseverfahren, die eine Fallfindungsrate
von über 80% gewährleisten. Hierum werden die Urologen von anderen
Fachärzten in der Krebsheilkunde beneidet. Gerade bei noch fehlenden
Beschwerden ist die Krebsfrüherkennung durch die PSA-Bestimmung von
größter Bedeutung. Leider wissen heute noch 80 % der Männer
nicht, was ein PSA-Bluttest ist. Nach der Erfahrung der Urologen nutzt
nur knapp ein Viertel der Männer im prostatagefährdeten Alter
diesen Test jährlich. Die Krankenkassen zahlen den PSA-Bluttest als
Früherkennungsmaßnahme derzeit noch nicht. Die Urologen empfehlen
allen Männern zwischen 50 und 75 Jahren den PSA-Test, der etwa 20
€uro kostet, ein Mal jährlich durchführen zu lassen. Denn
entscheidend für weitere Verbesserungen der Therapie im Sinne der
Heilung ist die Früherkennung im noch beschwerdefreien Stadium
Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
ist keine Früherkennungsmaßnahme. Sie ist sinnvoll, wenn der
PSA-Wert und / oder die Fingerbetastung einen Prostatakrebs nahe legen
und es um die Frage der lokalen Tumorausbreitung geht. Mit Hilfe einer
Ultraschallsonde, die in den Enddarm eingeführt wird, kann der Arzt
die Prostata sichtbar machen. Liegt ein tumorverdächtiger Bezirk,
ein Knoten oder ein bereits organüberschreitender Krebsbefall vor,
so sind diese Veränderungen auf dem Monitor erkennbar. Dieser TRUS
(transrektaler Ultraschall) ist schmerzfrei. Die Untersuchung kann beliebig
oft wiederholt werden, da sie den Patienten keiner schädlichen Strahlenbelastung
aussetzt. Die große Bedeutung der transrektalen Ultraschalluntersuchung
liegt also nicht in der Früherkennung sondern - im Verein mit dem
PSA-Wert als echte Suchmethode - in der Festlegung der Tumorgröße.
Auch diese Untersuchung wird wie der PSA-Test im Rahmen der Früherkennung
von den Krankenkassen nur dann übernommen, wenn bereits ein abklärungspflichtiger
Tumorverdacht besteht. Der TRUS kostet etwa 45 €uro.
Die Gewebeentnahme (Biopsie)
ist die einzige Maßnahme, durch die eine Krebsdiagnose zweifelsfrei
zu sichern ist. Wenn PSA-Werte, die Sonographie oder der Tastbefund einen
Verdacht auf Krebs nahe legen, ist für Männer eine Gewebsprobe
der verdächtigen Prostata zur endgültigen Sicherung der Diagnose
unumgänglich. Der kleine Eingriff wird vom After her ambulant und
in einer kleinen lokalen Betäubung durchgeführt. Zur Vorbereitung
wird der Enddarm gereinigt. Zur Vermeidung einer Infektion durch Verschleppung
von Keimen aus dem Darm in die Prostata wird bereits 2 Tage vorher ein
Antibiotikum verordnet. Die Gewebsprobe wird durch den After so durchgeführt,
dass mit Hilfe des Fingers oder einer Ultraschallsonde (TRUS) gezielt
feine Biopsienadeln zur Gewebegewinnung in die Prostata eingebracht werden.
Meistens werden mindestens sechs Gewebsproben, mitunter auch 12 und mehr
feine Proben entnommen. Mit speziellen Geräten, sogenannten Biopsiepistolen
ist eine besonders schnelle und schmerzarme Gewebsprobe gewährleistet.
Nach der Biopsie erfolgt die Untersuchung des Gewebes durch einen Pathologen,
der die Proben zunächst einfärbt und dann unter dem Mikroskop
auf Krebsmerkmale untersucht. Daraus erklärt sich auch, dass die
betroffenen Männer sich bis zum Vorliegen des Ergebnisses zwei bis
drei Tage gedulden müssen. Die Gewebsprobe (Biopsie) ist ein ungefährliches
Verfahren. Die gelegentlich von Patientenseite geäußerte Befürchtung,
dass dadurch Tumorzellen ausgeschwemmt werden könnten und der Krebs
erst aktiviert wird, ist absolut unbegründet.
Prostatakrebs-Früherkennung
- die Chance auf Heilung
Für alle Krebsarten, aber im besonderen für
den Prostatakrebs gilt, dass die Chancen einer kompletten Heilung durch
eine entsprechende Therapie umso größer sind, je früher
die Diagnose gestellt wird.
Dieser Grundsatz wird verständlich, wenn man weiß, dass Krebsgeschwülste
aus zunächst kleinen Zellhaufen bösartiger Zellen entstehen,
die sich entsprechend einer individuellen, genetisch bestimmten Dynamik
und entsprechend der Durchblutung des anfänglichen Tumors langsam
oder schnell vergrößern. Vom kleinen bösartigen Zellhaufen
bis zum tastbaren Krebsknoten vergeht also von Mensch zu Mensch und von
Tumorart zu Tumorart unterschiedlich viel Zeit.
Bei noch kleiner, begrenzter Krebsausdehnung besteht noch nicht die Gefahr
der Metastasenbildung. Auch ist in dieser noch umgrenzten Situation der
Prostatakrebs noch nicht über seine Organgrenze hinaus gewachsen.
Dadurch kann in diesem frühen Stadium durch eine radikale, d.h. komplette
operative Entfernung eine vollständige Heilung erzielt werden. Hierfür
geben ein nur gering erhöhter PSA-Wert, eine kleine Tumorausdehnung
in der Prostata und eine günstige, unter dem Mikroskop sichtbare
Zelldifferenzierung die beste Gewähr.
Eine jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung kann Krebsentstehung nicht
verhindern, aber dafür sorgen, dass im Ernstfall ein Frühstadium
diagnostiziert und so geheilt wird.
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am Beispiel des Prostatakrebs"
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