|
Autor: G. Jacobi, Nachdruck aus Männerforum Nr. 27/2002, maennerarbeit@t-online.de
Männer ...
und haben wahrscheinlich durch die genannten Umstände mit verursacht eine um sieben Jahre kürzere Lebenserwartung als Frauen. Dies zeigt, dass Männer offenbar nicht erst bei zunehmendem Alter, sondern fast ihr ganzes Leben lang bestimmte "Minusvarianten“ akzeptieren. Diese sind sowohl genetisch bedingt als auch durch das individuell unterschiedlich gelebte (und ausgelebte) Rollenverständnis selbst verursacht.
Es gibt spezifische Männerrisiken? Ist Mannsein eine gefährliche Sache? Sind Männer das zerbrechliche Geschlecht? Vor der Darstellung epidemiologischer und demographischer Fakten, die mit männlicher Erziehung, Verhalten und Gesundheitsbewusstsein zu tun haben, spielen bestimmte männliche Veranlagungen eine noch nicht ausreichend geklärte Rolle. Es wird angenommen, dass eine allgemeine Androtropie, d.h. die Anfälligkeit von Männern für lebensbedrohliche Krankheiten an sich die im Vergleich zur Frau verkürzte Lebenserwartung ausmacht. Dabei war der Überlebensunterschied nicht immer so. Denn bei dieser Situation handelt es sich nicht um eine Erbschaft aus der Steinzeit. Vielmehr haben wir es mit einem historisch jüngeren Phänomen der sich entwickelnden Industriegesellschaften seit Anfang des 19 Jahrhunderts zu tun. Brauchen wir aber dafür schon tatsächlich eine Art Männerheilkunde? Eigentlich nein, denn wir haben bereits traditionell das Fachgebiet Urologie, das unter seinen vielfältigen Schwerpunkten die Gebiete Sexualmedizin, Andrologie (man kann sie die Hormonkunde des Mannes nennen), Fertilitätskunde (Fortpflanzung) und den Bereich der Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane in sich vereinigt. Es ist nur verständlich, dass andere medizinische Fachgebiete ob der oben genannten gesundheitlichen Benachteiligungen um die Männer als medizinische Zielgruppe werben. Denn auch bei Krankheiten, die der Urologe nicht schwerpunktmäßig abdeckt, liegt es bei Männern im Argen. Für Übergewicht und Bluthochdruck und die lebensbedrohlichen Folgekrankheiten hieraus schneiden Männer durchweg schlechter ab als Frauen. Männer kennen ihre Körperdaten nicht und wissen wenig über deren Bedeutung. Nur etwa 20% der 60-80jährigen kennen ihren PSA-Wert (der derzeit wichtigste Krebsfrüherkennungswert für die Prostata), weniger als die Hälfte kennt ihr aktuelles Körpergewicht. Männliche Diabetiker wissen weniger über ihren aktuellen Blutzuckerwert Bescheid als Frauen. Das Messenlassen des Blutdrucks kommt bei Männern häufig schon einem Eingeständnis von Krankheit gleich. Männer tragen auch selten ihren Allergiepass mit sich, auch das wäre schon ein Eingeständnis. Und befragt man Männer, wie die Medikamente heißen, die sie täglich einnehmen, so wissen sie es nicht. "Das macht alles die Frau“, heißt es dann. Sie sagen nicht "meine Frau“ sondern quasi rollenverteilend "die Frau“. Sind Männer in der Beobachtung von Gesundheit und Krankheit unmündig? Auf der Suche nach Gründen fallen spontan die
unterschiedlichen Aktionsräume des Mannes während seines Lebens
ein. Diese sind klassischerweise geprägt von den drei Bereichen Beruf,
Freizeit und Ruhestand. Der Aktionsraum Familie stellt beim Mann die größte
Variable dar. Vieles spricht aber dafür, dass aber gerade der Aktionsraum
Familie und das weitere zwischenmenschliche Umfeld die oben genannten
Minusvarianten zum Guten hin beeinflussen. Stattdessen verbringt der Mann
mehr als die Hälfte seines wachen Lebens in Beruf und Arbeit. Waches
Männerleben ist - wie in der Zeit des Jagens und Sammelns - Erwerbsleben.
Menschen mit intakten sozialen Bindungen werden weniger krank oder überwinden
Krankheiten besser. Bei ihnen heilen selbst lebensbedrohliche Erkrankungen
besser, die Lebensqualität ist besser, die Lebenserwartung ist höher. In Studien an Männern unterschiedlichen Alters wurden einige immer wiederkehrende Grundmuster entdeckt. Im Vordergrund stand jeweils die gnadenlose Forderung nach der Topkarriere. Manche hatten dieses Dilemma zum Anlass genommen, einen persönlichen Fluchtweg für sich zu suchen. Man trachtete danach, erfolgreich zu sein und dennoch dem verkrüppelnden Lebensmuster zu entkommen. Manche hatten beschlossen, dann doch lieber auf den Erfolg zu verzichten und sich der Familie und sich selbst mehr zu widmen. Manche hatten es geschafft, innerhalb des Apparats irgendwo eine Nische für sich zu finden, in der sie eine Ausnahmeexistenz führen konnten. Und manche hatten die Zähne zusammen gebissen und sich ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel gestürzt. Sie hatten wahrscheinlich das unerfreulichste Leben zu erwarten. Hinzu kommen eine Reihe falscher Freunde, mit denen sich Männer gerne zusammentun: Alkohol, Nikotin, Drogen. Männer riskieren eher den verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen ihres Lebens. In Beruf und Freizeit gehen sie freimütiger ans Limit. Daher geraten sie auch eher in gesundheitsbedrohlichen Stress. Männer lassen sich eher einspannen. Oft ist das Ausspannen schwierig und ohne angemessene Wirkung. Einspannen und Ausspannen sind dem Umgang mit Arbeitstieren entlehnt. Das sagt schon alles. Vielleicht stimmt es aber, dass in einer wie heute in unserer Zivilisation befriedeten Gesellschaft, in der die grobe Arbeit von Maschinen erledigt wird und die weiblichen Tugenden der Kommunikationsfähigkeit mehr gefragt sind, Männlichkeit gar nicht mehr in der Form, wie sie klischeehaft bekannt ist, gefragt ist. Männer werden auch anders älter als Frauen. Denn vielleicht sind Männer auch weniger bereit zu tun (und zu "opfern“), um das älter Werden angenehmer werden zu lassen und vielleicht ein paar Jahre dazu zu gewinnen. Auch das Nehmen von Angst und das Aussprechen von Wünschen gehört hierzu. Wir wollen, dass unser Alter so sei: gesund, aktiv, produktiv, lebendig, erfolgreich, zufrieden, sinngebend, angstfrei, und vor allen Dingen sorgenfrei, unabhängig und selbstständig.
Es gibt Männerkrankheiten?
Die Mehrzahl der Männer haben eine oder zwei Präferenzen,
die sie zunächst erörtert haben wollen. Bei anderen kommen dann
noch andere Aspekte hinzu. In der Männersprechstunde wird in der ersten Sitzung nur
gesprochen und zugehört. Eine ausführliche
Risikoanalyse der bisherigen Lebensweise komplettiert die erste Beratung. Im
nächsten Schritt erfolgen
spezifische Beratungen über
Verhaltensprogramme oder Behandlungen. Der dritte Schritt führt
zum langfristigen Kontrollieren der präventiven oder therapeutischen
Zielsetzungen im Sinne eines nachhaltenden Couching. Schließlich sollen auch junge Männer, die mit Beginn ihrer beruflichen Karriere und ihrer familiären Aufbauphase auch beginnen, ihre "gesundheitliche Karriere“ langfristig zu planen, angesprochen werden. Sie sind eine heute noch kleine Schar gesundheitsorientierter Präventionswilliger, deren langfristige Unterstützung wir besonderes Augenmerk schenken müssen. Sie werden die gesunden Alten von übermorgen sein. Männergesundheitstage können die Zuversicht vermitteln, dass es nicht zu spät ist, einem veränderten Gesundheitsverhalten im Alltag Platz zu verschaffen. Außerdem ist es ein erklärtes Ziel darauf hinzuweisen, dass tägliche und langfristig angelegte Gesundheitsfürsorge und Vorbeugung nichts ist, was weh tut, langweilig ist, eines Mannes nicht würdig ist oder ihm gar peinlich sein muss.
Die Prostata - Männergesundheitsproblem ersten Ranges Das Problem ersten Ranges ist jedoch der Prostatakrebs. Er stellt die häufigste Krebstodesursache des älteren Mannes in den westlichen Industrienationen dar. In der BRD erkranken jährlich ca. 40.000 Männer, es sterben daran mehr als 12.000 pro Jahr. Diese Todesfälle sind Folge von fortschreitendem Krebswachstum und Tochtergeschwülsten. Bei rechtzeitiger Diagnose in einem Frühstadium sind Todesfälle zu vermeiden. Im Gegenteil, es ist eine vollständige Heilung durch frühzeitige radikale Entfernung der Prostata möglich. Deshalb sind alle Anstrengungen der Urologen gemeinsam mit den Patienten darauf ausgerichtet, eine Früherkennung des Prostatakrebses zu erzielen. Bei bereits nachweisbaren Tochtergeschwülsten oder lokal fortgeschrittenem Krebswachstum helfen nur noch medikamentöse Behandlungsversuche. Voraussetzung für die frühe Erkennung des Prostatakrebs ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung. In Deutschland besteht seit 1971 ein Krebsfrüherkennungsprogramm für den Prostatakrebs, das neben anderen Maßnahmen eine jährliche Tastuntersuchung der Prostata ab dem 45. Lebensjahr umfasst. Leider wird diese Krebsvorsorgeuntersuchung von nicht einmal jedem fünften Mann älter als 45 Jahre wahrgenommen. Daher erfolgt häufig die Diagnose des Tumors erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium, in dem entweder durch die Operation keine Heilung mehr erzielt werden kann. Bei Frühdiagnose des Tumors und nachfolgender Operation kann eine komplette Heilung mit danach unbeeinträchtigter Lebenserwartung möglich sein. Neben der Tastuntersuchung hat sich in den letzten 15 Jahren das PSA (Prostata-spezifisches Antigen) als Tumormarker im Blut zur Früherkennung des Prostatakarzinoms zunehmend etabliert. Der besondere Vorteil des PSA zeigt sich darin, dass unterhalb eines unteren Schwellenwerts weniger als 5% der Männer einen Prostatakrebs zu erwarten haben, während oberhalb dieser Schwelle je nach Höhe bei 25-80% dieser Männer mit einem Prostatakrebs zu rechnen ist. Der vorteilhafte Effekt der Vorsorgeuntersuchungen - und hier insbesondere Dank der weiten Verbreitung der PSA-Bestimmung - zeigt sich besonders daran, dass heute zunehmend frühe und heilbare Frühstadien operiert werden. Während noch vor zehn Jahren in den meisten großen urologischen Zentren sich nur etwa 30% aller am Prostatakrebs operierten Patienten noch in einem solchen Frühstadium befanden, weisen heutzutage schon 70% aller operierter Patienten ein frühes und damit heilbares Stadium auf. Zusätzlich zeigt sich momentan in USA, Kanada und in Deutschland erstmals eine sinkende Sterberate am Prostatakarzinom als Folge einer verbesserten Früherkennung dieses Tumors.
Ausblick in die Zukunft
Sie benötigen ein Zip-Programm, um die Datei zu entpacken. Falls Sie kein Zip-Programm auf Ihrem Computer installiert haben, dann können Sie dieses unter www.freewareportal.de herunterladen.
|