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Lebenswandel
[oder: Gib Fürsorge und Achtsamkeit eine Chance]


Unser Leben ist ab einem bestimmten Abschnitt aktiv bestimmt von Fürsorge und Achtsamkeit. Vielen von uns sind diese Begriffe selbstverständlich. Sie schöpfen aus einer bewussten und behutsamen Lebensweise Kraft und Glück. Andere haben einen mehr spontanen, unbewussten Lebensstil gewählt oder das Temperament dazu mitbekommen. Gelegentlich werden diese von den anderen in jungen Jahren bewundert oder gar beneidet. Später im Leben ändern sich jedoch die Prioritäten oft in eine andere Richtung.
Fürsorge lernen wir mehr oder weniger von unseren Eltern, Lehrern und Ehepartnern. Wir erwarten Fürsorge von unserem sozialen Netz und all seinen auf Solidarität gerichteten Versicherungen und Absicherungen. Wir geben später Fürsorge weiter an die uns Anvertrauten. Fürsorge ist damit zunächst nach außen gerichtet und schlägt sich demnach auch vordergründig im Materiellen nieder. Fürsorge wird damit leider mehr und mehr zur reinen finanziellen Vorsorge. Mitunter hat man den Eindruck, beim Älterwerden gehe es nur noch um Vorsorge. Der Werbeslogan einer Bausparkasse - „Ich will, dass unsere Kinder im eigenen Garten spielen und ich im Alter keine Miete zahlen muss.“ - beinhaltet diese Fürsorge (für die Kinder) und diese Vorsorge (für sich selbst).
Mit Achtsamkeit, eine ebenfalls nach außen gerichtet verstandene Tugend, scheint es komplizierter zu sein. Wer wollte sie auf Anhieb glaubhaft definieren. Die meisten unter uns würden sagen, sie seien sich nicht sicher, ob sie Achtsamkeit genau beschreiben können, aber dass sie wissen, was es ist, wenn sie es verspüren. Auch hierüber wollen wir auf diesem Forum Verständnis schaffen. Wir werden zeigen, dass Achtsamkeit gerade auch eine Innenwirkung erhalten muss.

„Die meisten jagt die Not durchs Leben,
ohne sie zur Besinnung kommen zu lassen“.

Hiermit hat Arthur Schopenhauer auf diese innere Achtsamkeit abgezielt.
Unser Leben ist ein Kontinuum von Plänen und oft auch Zielen. Häufig wollen wir diese absichern. Jedoch wird diese Absicherung oft zur Versicherung und spielt sich vornehmlich im materiellen Kontext ab. Es geht um Risikominderung und Vorbeugung ein Leben lang.
Schon früh schließen wir eine Risiko-Lebensversicherung ab, mit langer Laufzeit und kalkulierbarer Ausschüttung im Erlebensfall. Viele schließen einen Ehevertrag ab, nicht zur Bewältigung des worst case, sondern aus Vorsorgemotiven. Weitere Vorsorgemodelle, die auf Eigeninitiative basieren, sind der Sparplan, die Krankenversicherung mit verschiedene Leistungsspektren, der Bausparvertrag, der Investmentfond und andere materielle Planungen für die Zukunft. Die Kinder erhalten frühzeitig eine finanzielle Perspektive, Plus-Sparen, Bundesschatzbriefe und so weiter. Früher gab es noch die Sterbekasse.
All diese Verplanungen lassen eine planvolle Lebensperspektive vermissen: die Planung des Lebensstils, die Planung der inneren, der eigentlichen Gesundheit. Denn ohne maßvollen, auf sich selbst ausgerichteten und den Bedürfnissen der verschiedenen Lebensabschnitte angepassten Gesundheitsplan werden die oben dargestellten materiellen Verplanungen nicht die geplanten (und zu erwartenden) Früchte bringen.

• Daher plädieren wir für einen Sanoplan.

Der in diesem Forum entwickelte Sanoplan soll Menschen dazu in die Lage versetzen, ihre Zukunft in jedwedem Lebensabschnitt ganzheitlich zu planen.
Für Sanoplan braucht man einen Lebensführerschein, am besten gleich mehrere. Führerschein im doppelten Sinne: als Befähigung und als Erlaubnis.
Sanoplan hat auch etwas mit innerer Ruhe zu tun. Mit der Bewertung der Todsünden Geiz, Gier und Neid sowie mit unserem innigen, natürlichen Verhältnis zur Natur. Die meisten Menschen sehen in sich eine Besonderheit. Das ist gut so.
Antoine de Saint-Exupéry hat in Citadelle über die Menschen gesagt, sie hielten sich für einen „Vorrat an Wunderlingen“. Als im März 2002 die vielbeachtete Journalistin Gräfin Marion von Doenhoff hochbetagt starb, da war sie einem, der sie gut gekannt hatte, die Charakterisierung Instanz wert. Wenige Wochen später wurde nach dem Tod der britischen Königinmutter von einer immerwährenden Institution gesprochen.
Wir wollen aufzeigen, dass in jedem von uns eine wenn auch kleine Instanz und Institution innewohnen kann und soll.


Wer können unsere Zielgruppen sein?

Erfahrungsgemäß werden wir unterschiedliche Gruppen interessierter Menschen ansprechen.
Erstens: Diejenigen, die sich bestätigt finden in ihrer Meinung, für ihre allumfassende Gesunderhaltung, ihr Wohlergehen und ihre zukunftsorientierte, positive Lebensweise und psychohygienische Ausrichtung täglich genug zu tun. Diese Frauen und Männer leben zielgerichtet. Sie nehmen auch aktiv an der Gesundung anderer Teil. Sie betreiben aktive Prävention und sind den Gedanken von Wellness, Psychohygiene und gutem Älterwerden bereits primär aufgeschlossen. Sie wirken auch hier und da als Stützen unserer Gesellschaft und unseres Gemeinwesens.
Zweitens: „Betroffene“, die zum ersten mal in ihrem Leben merken, dass sie an der Schwelle stehen zu einer Lebenssituation, an der ein rigoroses Umdenken angezeigt ist. Plötzlich geht es darum, bestimmte Ziele, die man sich noch gesetzt hatte, besser und sicherer erreichen zu können. Diese Menschen haben durch Setzen anderer Prioritäten meist fünfzehn oder zwanzig Jahre nichts aktiv für ihre körperliche und seelische Gesunderhaltung getan. Sie haben nie einen Therapeuten, Couch oder Trainer konsultiert, nie einen Arzt in präventiver Absicht gesehen. Sie haben „in Ermangelung“ von Zeit, Gelegenheit oder Mut nicht Freunde oder andere Nahestehende um Rat gefragt. Sie haben beruflichen Aufstieg und familiäre Entwicklung in den Vordergrund gestellt. In dieser Gruppe überwiegen die Männer bei weitem. Sie wollen wir besonders für unsere Ideen motivieren.
Drittens: Menschen mit Beschwerden und Funktionsausfällen und Befindlichkeitsstörungen, die sich eingestehen müssen, dass ihnen durch Unkenntnis, durch mangelnde bisherige Aufklärung, anders gelagerte Interessen und auch durch Verdrängung, falsch verstandene Scham und unbegründete Angst in den letzten Jahren schwere Fehler in ihrem Verständnis von Gesundheitspflege, Psychohygiene und Krankheitsprävention unterlaufen sind. Diese Menschen bedürfen einer regelrechten Behandlung. Sekundäre präventive Maßnahmen sind bei diesen Menschen schwierig. Denn solche auf Gesundung gerichtete Vorkehrungen können nur mit der Änderung eines viele Jahre eingeschliffenen riskanten Lebensstils erfolgversprechend sein. Auch hier überwiegen eindeutig die Männer.
Viertens: Junge Frauen und Männer, die mit Beginn ihrer beruflichen Karriere und ihrer familiären Aufbauphase auch beginnen, ihre Lebensgestaltung mit entsprechender Sinngebung und ihre „gesundheitliche Karriere“ langfristig zu planen. Sie sind eine heute noch kleine Gruppe gesundheitsorientierter Präventionswilliger, deren langfristige Unterstützung wir besonderes Augenmerk schenken müssen. Sie werden die Stützen unserer Gesellschaft von morgen und die gesunden Alten von übermorgen sein.
Sollten nach der Auseinandersetzung mit lebenswandel.com [sprich: „Lebenswandel - komm!“] die folgenden Ausführungen aus einem Brief von Horaz recht verstanden werden, dann hätte unsere Arbeit einen Sinn gehabt:

„Studiere die Bücher der Weisen und frage, wie du den Weg
deines Lebens geruhsam zu gehen vermöchtest.
Prüf, ob Du ewig gehetzt und gequält wirst von Gier und von
Ohnmacht oder von bebender Hoffnung auf Güter von mäßigem Nutzen.
Forsche. Ist Tugend erlernbar? Geschenk oder Natur?
Was kann Sorgen mindern und lässt zu dir selber dich finden?
Was ist in der Lage, wirkliche Ruhe zu schenken?
Die Ehre? Ein hübsches Gewinnchen?
Oder ein Pfad, der im Abseits des Lebens Verborgenheit sichert?“


Günther Jacobi und Rudolf K. Oberdorfer
Voerde und Wesel am Niederrhein im November 2002

 

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