Zurück zur Auswahl


Seelische Fitness [Psychohygiene]


„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit
und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz zu jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andere, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem,
wie an einer Heimat hängen, der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt,
so droht erschlaffen!
Nur wer bereit zum Abschied ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegensenden, des Lebens Ruf an uns wird niemals enden: Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"


"Stufen" ( Hermann Hesse ,1877-1962)


Auch Seele bringt Leistung hervor. Demzufolge kann man auch seelische Leistungsfähigkeit und seelische Schwäche formulieren. Wir kennen bestimmte Zentren im Zwischenhirn, in denen Neurotransmitter, also Botenstoffe zur Regulierung des Gefühlslebens, zur Feineinstellung des Bewusstseins und unserer wahrnehmenden Erkenntnis gebildet werden. Die Psyche hat also wie andere Funktionen eine biochemische Matrix. Wir projizieren unser Seelenleben allerdings traditionell in die Herzgegend.
Psychohygiene - gelegentlich unsachgemäß auch Psychoprophylaxe genannt - ist die Lehre von der Erhaltung der seelischen und geistigen Gesundheit. Längst ist vielen bekannt, dass die Säulen unserer Gesundheit insbesondere auf gesunder Ernährung, körperlicher Arbeit, Bewegung/Sport und psychohygienischer Lebensführung ruhen. Nur das Umsetzen dieser Erkenntnisse in unserem Alltag fällt uns so schwer.
Psychohygiene umfasst sowohl die äußeren Rahmenbedingungen, die sich ein Staatsvolk durch den Überbau der Gesetze selbst gestaltet, als auch das Phänomen Salutogenese, welche die inneren Strukturen und Möglichkeiten erforscht, die jedermann durch konkrete Ausformung der individuellen Beziehungsgestaltung hat. Dazu gehört auch, wie wir diese in der freiheitlichen, an Grundrechten orientierten Demokratie planen und umsetzen können.

 

Salutogenese


Die ersten wissenschaftlichen Ansätze wurden bereits 1917 entwickelt. Sie sind, nachdem diese vom Nationalsozialismus rassistisch missbraucht worden waren, in unserer zeitgenössischen Kultur immer mehr aus dem Blickpunkt öffentlichen Interesses geraten. Auch bestimmte Kreise der Politik haben im Hinblick auf Wahltaktik, Machterhalt und materielle Absicherung leider am Wertezerfall aktiv mitgewirkt. Wir haben unsere Lektion als eine der westlichen Industrienationen gut gelernt. Fast alles, was sich rentiert, schön macht, ein langes Leben verspricht und gut tut, scheint erlaubt zu sein.
Gegen diese fatale Entwicklung sollte eine moderne, an Ganzheitlichkeit orientierte Gesundheitspolitik den Prinzipien der Salutogenese oberste Priorität einräumen. Nur so kann Gesundheit langfristig noch für jedermann bezahlbar sein.

Die erste Formulierung des Prinzips der Salutogenese stammt von Viktor von Weizsäcker. Am Schluss seiner 1930 erschienenen Schrift „Soziale Krankheit und soziale Gesundheit“ schreibt er:

„Die Gesundheit des Menschen ist eben nicht ein Kapital, das man aufzehren kann, sondern sie ist überhaupt nur dort vorhanden, wo sie in jedem Augenblick des Lebens erzeugt wird. Wird sie nicht erzeugt, dann ist der Mensch bereits krank. Man kann den Sozialkranken daher auch als einen Menschen bezeichnen, bei dem die beständige Erzeugung der Gesundheit nicht mehr richtig erfolgt."

 

Tanz ums goldene Kalb


Erich Fromm, einer der bedeutendsten, deutschen Philosophen des vergangenen Jahrhunderts, beschreibt in seinem Buch "Die Kunst des Liebens" im Kapitel „Die Liebe und ihr Zerfall in der zeitgenössischen Gesellschaft“ ebenso wie in "Haben und Sein" sehr eindruckvoll die Zwänge und Mechanismen, die auch hierzulande immer mehr zum Zerfall der Liebe führen. Auch die bekannte amerikanische Zwölf-Schritte Therapeutin Anne Wilson Schaef beschreibt diesen selbst zerstörerischen Mechanismus in ihrem Buch "Im Zeitalter der Sucht".
Der Paartherapeut Lukas Michael Möller spricht vom „Zeitalter der narzistischen Störung“, in der das Konsumieren und Konsumiertwerden, die Jugend, die Schönheit und der Erfolg zum Selbstzweck wird. Und in der Menschen ohne Sinnfindung und ohne Liebe an ihrer oberflächlichen Konsumentenhaltung seelisch verkümmern und letztendlich einsam zugrunde gehen. Eine Kultur, in welchem das HABEN, das Kulissenschieben und das Konsumieren immer mehr Vorrang vor dem SEIN hat, verdient nicht, als "Kultur“ bezeichnet zu werden. Denn unter solchen Bedingungen geht die Fähigkeit zu lieben immer mehr verloren. Diese "Unkultur“ kann nicht überdauern, denn sie ist eine Endzeitkultur, die uns unserer Lebensgrundlagen beraubt. Ökologie, der gute Umgang mit unserem Lebensraum, und Psychohygiene bedingen sich gegenseitig. Das eine ist ohne das andere nicht möglich. Beiden ist das Postulat der Nachhaltigkeit zu eigen.
Allein die tradierte Rollenverteilung im Politischen, im Ökonomischen, im Pädagogischen und Sozialen weist den Männern hierzulande derzeit immer noch eine zentrale Stellung zu und räumt ihnen damit eine besondere Verantwortung, aber auch Chancen ein.
Lassen Sie uns gemeinsam dem Gesetz des Wachstums, der Rendite und der kalten Machtausübung das Gesetz der Liebe entgegenhalten. Wir sollten uns in Europa unserer kulturellen Wurzeln wieder besinnen und uns der allgegenwärtigen „MacDonaldisierung“ mit einem feurigen, liebenden Herzen, mit Mut, dem Sinn für Gerechtigkeit und mit Zivilcourage entgegenstellen.

 

Konsumverzicht im Zeitalter der Sucht


„Weniger ist mehr - im Verzicht liegt der Gewinn“; könnten wir uns für diese Devise stark machen?! Wir haben unser Augenmerk auf das genussreiche Konsumieren gerichtet. Dafür investiert die Wirtschaft nicht umsonst jährlich Milliarden in psychologisch raffiniert konzipierte, verführerische Werbung. Wir stürzen uns ständig immer wieder aufs Neue in den Wettbewerb: erfolgreicher, schöner, höher, schneller, reicher, intelligenter werden. Rivalität und der Zerfall von tradierten Normen und Werten prägen in der neoliberalen Informationsgesellschaft unser Bewusstsein. Kritische Denker reden von "Kulturimperialismus“, wenn sie den - jeglicher Ethik beraubten - medialen "Sex-and-Crime-Schund“ analysieren, mit welchem wir unsere Jugend überfluten lassen.

Dass unsere körperliche Gesundheit, ganz besonders aber unsere Liebesfähigkeit, durch Süchte aller Art auf der Strecke bleibt, wird aus einer harten statistischen Zahl ersichtlich: die durchschnittliche Ehedauer der bis 30jährigen beträgt gerade einmal 2,8 Jahre. Dritt-, Viert-, Fünftbeziehungen kommen in allen Gesellschaftsschichten in Mode. Der läppische und verharmlosende Begriff Lebensabschnittspartner („LAP“) muss erschrecken. Die Promiskuität, der Ehebruch droht zum Volkssport zu werden. Das Fernsehen überträgt nachmittags Talkshows, wo Promiskuität von 13-Jährigen mit Applaus bedacht und das Eintreten für Keuschheit vor der Ehe mit Pfiffen und Johlen quittiert wird. Andere TV-Obszönitäten zu Sendezeiten, in denen Eltern dem Broterwerb nachgehen und Kinder frei zappen, erzeugen selbst bei Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern Gefühle von Ohnmacht, Kopfschütteln, ja, Abscheu. Halter von Lebensführerscheinen setzen sich in ihrem Bereich für eine „Entschrottung“ von Fernsehprogrammen und Ächtung menschenverachtender Programme durch Boykott ein.

 

Soziale Kompetenz durch Zwiegespräche


"Die Wahrheit beginnt zu zweit" heißt ein wichtiges Buch, in welchem Professor Michael Lukas Möller leicht nachvollziehbare Wege beschreibt, die es uns durch das Erlernen des "Zwiegesprächs“ ermöglichen, die subjektive Wirklichkeit des Gegenübers zu erfassen und zu würdigen. Ohne die Achtsamkeit und Liebesfähigkeit, werden wir die subjektive Wirklichkeit unseres Partners nicht begreifen können, sondern unsere eigenen Vorstellungen von unserer Wirklichkeit in ihn hinein projizieren. Liebe bedeutet letztlich, dass der Liebende sein Augenmerk darauf fokussiert, im Herzen des anderen wohnen zu wollen, um seine subjektive Wirklichkeit verstehen und respektieren zu können. Und zwar ohne sich dabei selbst zu verleugnen oder gar zu verlieren. Das bedeutet, dass der Liebende sein Handeln am gemeinsamen Interesse, am Erhalt und Ausbau der Wir-Identität orientiert und sich nachhaltig darum bemüht, den Partner an seiner Seite glücklich zu wissen, ohne sich dabei zu verleugnen oder gar aufzugeben. Das beinhaltet auch die Bereitschaft zur „Unterbrechung der Ich-Befriedigung“, zum Verzicht. Dies bedeutet den stetigen Aufbau von Frustrationstoleranz und der Bereitschaft, keine Bedingungen zu stellen und die Fähigkeit, die jeweils gegenwärtige Realität positiv zu konnotieren.
Die alten Rollen sind nicht mehr gefragt. Im Zeitalter der Emanzipation und Gleichberechtigung müssen Männer angestammte Macht abgeben, abrüsten und neue Antworten geben auf die Fragen, die das moderne Leben heute tagtäglich immer wieder neu stellt. Rollenflexibilität heißt, die neue Herausforderung mutig und kraftvoll annehmen. Denn wenn jeder Bürger und jede Bürgerin einen Beruf erlernen kann und auch sollte (weil ein Verdiener alleine eine Familie nicht mehr ernähren kann), so bedeutet dies für uns Männer den so oft strapazierten Paradigmenwechsel: Männer müssen (wieder) tunlichst alle Fertigkeiten erlernen und in sich vereinen, die sie autonom, demokratisch und liebesfähig, und damit für moderne Frauen wieder attraktiver machen. Starke, emanzipierte Frauen wollen mental starke, seelisch gesunde, selbstbewusste und liebesfähige Männer, und erziehungskompetente Väter für ihre Kinder. Sie brauchen keine Maskenmänner und keine Kulissenschieber, keine, die den Kopf in der Sand stecken, nicht sehen, nicht hören, nicht fühlen. Sie wollen keine Männer, die sich hilflos in althergebrachter Manier an alten Rollenstereotypen festklammern.
Situationsangemessene Antworten geben auf die Herausforderung, die das moderne Leben an uns stellt, so heißt die Parole. Die angestammte Führung in der Liebesbeziehung nur aufgrund unserer Geschlechtszugehörigkeit gibt es nicht mehr. Wenn wir Männer weiterhin führen wollen, dann müssen wir unseren Führungsanspruch durch umfassenden Erwerb an Kompetenz und Expertise erst verdienen: soziale Kompetenz, Achtsamkeit, Partnerfähigkeit, Liebesfähigkeit, Erziehungsfähigkeit.
Wo zwei Menschen zusammen sind, ergeben sich naturgegeben unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Streiten lernen ist zur konstruktiven, gewaltlosen Lösung von Konflikten unabdingbar notwendig. Männer führen Dialoge anders als Frauen. Die Art und Weise, wie wir streiten, entscheidet darüber, ob wir einen Kompromiss finden, bei dem keiner unterliegt, oder, ob wir uns unwiederbringlich auseinander bewegen. Wer sich im Streit durch eine verletzende Aussage angegriffen oder gar abgewertet fühlt, verspürt eine physiologische Abwehrreaktion, eine Somatisierung. Diese kann sich äußern in einem Engegefühl in der Brust, im Kiefer, im Rücken, im Bauch oder in den Schultern. Die Muskeln und Arterien ziehen sich zusammen, schalten quasi auf "Verteidigung“ um, der Blutdruck erhöht sich. Gefühlvolles Darlegen und Diskutieren der unterschiedlichen Wirklichkeiten verhindern die Eskalation und schaffen das Gefühl der Verbundenheit. Durch Erlernen und Ritualisierung des konstruktiven und kontrollierten Dialogs, durch das oben schon erwähnte Zwiegespräch, entsteht eine Wir-Identität, die eine wesentliche Immunisierung gegen den schleichenden Zerfall der Liebe bewirken kann.
Aber es geht nicht nur um das Streitgespräch zur Klärung von Konflikten, sondern auch um das wöchentliche, ritualisierte Zwiegespräch, in welchem sich ein Paar "wechselseitig einfühlbar macht“. Dann redet jeder nur von sich, auf jedwede Kolonialisierung wird verzichtet, und jeder zeichnet verbal sein Selbstporträt in allen Schattierungen. Jeder gibt Auskunft darüber, wie er es sieht und was er dabei empfindet, was er sich wünscht und warum er sich das so wünscht und nicht anders. Solche Zwiegespräche führen zu mehr Transparenz und tragen somit zur Vertrauensbildung bei. Ein wesentlicher therapeutischer Aspekt dieser heilsamen und entwicklungsförderlichen Kommunikationsform ist insbesondere bei Männern die Vertiefung der Selbstexploration. Dadurch, dass unsere Partnerin sich für die subjektive Wirklichkeit des Mannes interessiert und aktiv zuhört, kann dieser in Ruhe vertieft über sich selbst nachdenken und sich umfassend Auskunft darüber geben, wer er in Wahrheit ist. Somit ist diese Form der Kommunikation eine wesentliche Hilfe zur kontinuierlichen Entwicklung einer eigenen Persönlichkeits-Inventur. So werden neue Zielsetzungen für Persönlichkeitsveränderungen und zielführendes Verhalten möglich.

 

Inventur üben, Verzicht und Wahrhaftigkeit erwerben


Pater Hugo M. Enomya-Lassalle, der die Zen-Meditation in die deutschen Klöster gebracht hat, beschreibt das Erleuchtungserlebnis eines indischen Philosophen, der in der Selbsterforschung und der Selbstfindung durch die meditative „Wesensschau“ eine wesentliche Grundlage für seelische Gesundheit und somit auch für das individuelle Glückserleben erkennt. Er betont: "Wenn das Eine (das Selbst) gefunden ist, lösen sich alle anderen Probleme von selbst auf; solange dieses nicht gefunden ist, nehmen die Probleme, die gelöst sein wollen, kein Ende!“ .

Zwiegespräche, sich wechselseitig einfühlbar machen, Lösungen entwickeln, wo keiner unterliegt, achtsam mit sich und dem anderen, mit der Familie, den Freunden, den Kollegen, der Firma umgehen, das sind für den modernen Menschen die Herausforderungen, die angesagt sind. Das setzt ständige Selbstreflexion, Introspektion, Selbstfindung und tägliches Inventur-Machen voraus. Nur wer weiß, wer er in Wirklichkeit ist, weiß auch, was er will. Männer und Frauen können ihre innere Ethik entwickeln, ihr Handeln an den eigenen Normen und Werten ausrichten, und somit ihre Vorstellungen von einem erfüllten Leben gestalten und tagtäglich immer wieder neu umsetzen. All dies ist wirksame Prävention vor Befindlichkeitsstörung und Krankheiten.

Selbstverwirklichung, Sich-selbst-treu-sein, authentisches Handeln erfordern aber die Bereitschaft zum Verzicht, die Unterbrechung der Ich-Befriedigung, d.h. den Aufbau von Frustrationstoleranz. Nur über diesen Weg können wir uns selbst und unsere Schatten sowie unsere tieferen Schichten erkennen. Hierüber können wir uns Kraftquellen erschließen, die, wenn sie einmal sprudeln, sich immer wieder selbst nähren und somit niemals versiegen.
„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht - und wenn er auch die Wahrheit spricht!“ sagt der Volksmund. Und wer hat es nicht schon als Kind, sondern auch als Erwachsener noch zu hören bekommen. Eine Lüge zieht immer weitere Lügen nach sich, bis man sich in immer komplexer werdenden Lügengebäuden mehr und mehr verstrickt, und schließlich die Lüge selbst für wahr hält. Kinder lügen zumeist aus Angst vor den zu erwartenden Folgen der Bestrafung. Mancher hat diese Unart unreflektiert in sein Erwachsenenleben hinüber "gerettet“ und nicht bedacht, dass er durch die Inanspruchnahme der Lüge sich selbst nur abwerten kann. Ohne Wahrhaftigkeit gibt es letztlich kein Vertrauen; und ohne Vertrauen gibt es keine dauerhafte Liebe.

Psychohygiene heißt auch Beichten. Es ist besser zu beichten, statt mit der Lüge zu leben! Ob in indianischen Religionen, im Christentum, im Buddhismus, im Islam oder Judentum, überall ähneln sich die Praktiken, mit jemandem seine dunkelsten Geheimnisse zu teilen. Alle Völker scheinen die reinigende und befreiende Wirkung der Beichtrituale verstanden zu haben. Denn wer im Zwiegespräch oder auch öffentlich einen Fehler eingesteht, erfährt Mitgefühl, baut damit emotionalen Stress ab und beugt Krankheitssymptomen vor. Auch in dem seit Jahrzehnten weltweit wirkungsvollsten Selbsthilfekonzept der anonymen Zwölf-Schritte-Selbsthilfegruppen empfiehlt der fünfte Schritt dieses „Genesungsweges“: „Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen unverhüllt unsere Fehler zu“. Beichtrituale befreien von quälenden Schuldgefühlen, die zerstörerisch auf das Immunsystem wirken und uns für Infektionen und andere Krankheiten vielerlei Art anfällig machen.

 

Meditation und das Heute-Prinzip


Das Arbeiten an sich auf gutem spirituellen Fundament ist eine erfolgreiche psychohygienische Maßnahme. Meditation und die Anwendung des Heute-Prinzips sind die direktesten Wege zur Selbstfindung. Durch tägliche Meditation, Hypnose oder autogenes Training beeinflussen wir zusätzlich unseren Stoffwechsel und unser Immunsystem nachhaltig und tragen somit auch zur somatischen Gesunderhaltung bei. Durch das Erlernen von Imaginationsübungen zur Aktivierung des "inneren Freundes“ oder "inneren Arztes“ und der Visualisierung von "Bildern des Gelingens“ kann der Heilungserfolg in der Therapie und Nachsorge von Krebskrankheiten durch die stabilisierende Wirkung auf das Immunsystem wesentlich unterstützt werden. Es ist unschwer nachvollziehbar, dass die täglich angewandte Meditation durch ihre psychoimmun-biologische Wirkung auch eine wirkungsvolle präventive Maßnahme im Hinblick auf eine verminderte Erkrankungsanfälligkeit darstellt. Insbesondere die Zen-Meditation, die von Hugo M. Enomiya-Lassalle von Japan nach Europa gebracht und zunächst in das meditative Leben der Beschaulichkeit deutscher Klöster eingebaut wurde, gilt in Fachkreisen als der "steilste, aber auch effizienteste Weg zur Erleuchtung“. Auch in der evangelischen Kirche gibt es inzwischen Pfarrer mit zusätzlicher Lehrbefugnis als Zen-Meister, die überall in Deutschland kleine Meditationsgruppen aufbauen.

Das „Heute Prinzip - der gegenwärtige Moment“ ist ein wesentlicher philosophischer Grundpfeiler für die Fähigkeit, dauerhaft - auch nach erlebtem Leid - immer wieder Glück zu erleben und unser Leben in positiver Weise zu meistern. Eine uralte asiatische Sinnspruchweisheit aus dem Sanskrit, der heiligen Sprache der Brahmanen, die schon längst nicht mehr gesprochen, aber in einer Schrift überliefert wurde, besagt:

„Sei Dir jedes Tages bewusst, denn er ist das Leben,
das Leben alles Lebens.
In seinem kurzen Ablauf liegt die ganze Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens, der Ruhm der Tat und die Herrlichkeit der Kraft.
Denn das GESTERN ist nur ein Traum -
und das MORGEN eine Vision!
Das HEUTE aber, richtig gelebt,
macht das GESTERN zu einem Traum voller Glück -
und das MORGEN zu einer Vision voller Hoffnung:
Deshalb sei Dir jedes Tages bewusst!“

Das positive Denken, das positive Konnotieren der Realität macht uns zu Alchemisten, zu Lebenskünstlern, die ohne zu hadern, sich angstfrei ganz auf die konstruktive Gestaltung ihrer Wirklichkeit mit dem Hintergrund einer positiven Erwartungshaltung für die Zukunft konzentrieren können. Folgende positive Suggestionen können unser Persönlichkeitswachstum fördern und uns quasi Flügel verleihen. Diese Suggestionen sind gesundheitsfördernd:

  • So, wie es ist, ist es gut, und so wie es sein wird, wird es gut sein!
  • Herr, Dein Wille geschehe!“
  • Ich vertraue Gott, so wie ich ihn verstehe.
  • Loslassen und Gott überlassen!
  • Ich vertraue meiner höheren Macht und meiner wachsenden Fähigkeit, immer eine situationsangemessene Antwort geben zu können auf die Fragen, die das Leben mir zukünftig stellen wird.
  • Alles wird gut!

„Spiritualität ist eine Gabe. Sie wird jenen zuteil, die vertrauen. Sie geschieht denen, die lieben, die von ganzem Herzen lieben. Jedermann ist ein verheißungsvoller Mensch, denn wir alle tragen Gott als unser höchstes Erblühen in uns“, sagt Osho in Mojud - der Mann mit dem unerklärlichen Leben.

 

Psychosoziale Netzwerke


Unterstützung durch und in Gruppen, d.h. der Aufbau sozialer Netzwerke, sind weitere Voraussetzungen für die Stabilisierung unserer Abwehrkräfte gegen Krankheiten und seelische Nöte. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen, die in intakten Gruppen wie in einer Familie oder einem intakten Freundeskreis leben, Krankheiten besser abwehren. Selbsthilfegruppen können Menschen helfen, nicht nur ihr Krankheitsproblem besser zu verstehen, sondern Einsamkeit und Isolation zu überwinden.
Selbsthilfegruppen sind soziale Netze, auf welche wir zurückgreifen können, wenn wir in Not sind. Wie eng diese Netze geknüpft sein müssen, um effizient zu wirken, hängt von deren primärer Zielsetzung ab. Selbsthilfegruppen sind nicht nur Frauensache. In den unten genannten Gruppen sind Männer sogar auf einem Feld überrepräsentiert, nämlich bei den Alkoholabhängigen und anderweitig Süchtigen.
Am effektivsten arbeiten die anonymen 12-Schritte-Selbsthilfegruppen, die sich aus den „Anonymen Alkoholikern“ (AA) und deren Gründern Bill und Dr. Bob in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Amerika entwickelt haben. Mit den 12 Schritten und 12 Traditionen weisen sie einen hoch wirksamen Genesungsweg auf, der häufig selbst dann noch greift, wenn die naturwissenschaftlichen Therapieansätze auf Dauer gescheitert sind.
Gerade diese Gruppen haben den Gelassenheitsspruch des Theologen Friedrich Christoph Oetinger zu einem ihrer zentralen Slogans erkoren: „Gott, gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
In der Bundesrepublik gibt es ein ausgebautes Netz dieser 12-Schritte-Selbsthilfegruppen, die neben den Anonymen Alkoholikern (AA) auch noch die AL-ANON-Familiengruppen für Angehörige von Alkoholikern, für erwachsene Kinder suchtkranker Eltern (EKS) sowie die AL-ATEEN für Kinder von Alkoholikern umfassen. Außerdem arbeiten erfolgreich über 20 weitere Selbsthilfegruppen: für depressive und ängstliche Menschen (EA), für Raucher (AR), für Drogen- und Tablettenabhängige (NA), Spielsüchtige (GA), Esssüchtige (OA), Coabhängige (CoDA), Sexsüchtige (AS), Inzestüberlebende (ISA), Borderliner (BA) und für eine Gruppe lebensbedrohlich erkrankter Menschen (MTC). Allen diesen Gruppen ist gemeinsam, dass sie nicht mit professioneller Hilfe arbeiten, sondern nur mit Ansprechpartnern auskommen, die selbst betroffen sind und das jeweilige Meeting regelmäßig vor Ort leiten. Die für alle verbindlichen zwölf Traditionen regeln die Anonymität, die religiöse und wirtschaftliche Unabhängigkeit, die innere Struktur mitsamt den Regularien, die zu stetigem Wachstum und zu weltweiter Verbreitung beigetragen haben. Es ist schon faszinierend zu erleben, wie eine Selbsthilfeorganisation, die nur aus Betroffenen besteht und wegen des Erhalts ihrer Unabhängigkeit keinerlei finanzielle Zuwendungen oder öffentliche Mittel anstrebt, trotzdem oder gerade deswegen (?) stetig wächst. Eine Finanzierung erfolgt lediglich aus freiwilligen Hutsammlungen und aus dem Verkauf der eigenen Literatur. Aus Gründen der zu erhaltenden Unabhängigkeit wurde vor Jahren die Ehrung durch den Friedensnobelpreis abgelehnt.
Das einzige Motiv, dazugehören zu wollen, ist der ehrliche Wunsch nach Persönlichkeits- und Verhaltensänderung, die aus der tiefen Erkenntnis über die eigene Störung erwächst. Es werden in diesen Gruppen keine Vorschläge gemacht oder Ratschläge erteilt. Jeder redet nur von sich und seinen Gefühlen und Erfahrungen. Es gibt keinerlei direktes Feedback in diesen Gruppen. Nur das assoziative, authentische Mitteilen der eigenen Erfahrungen, Gefühle und Erkenntnisse, die das individuelle Outing des Vorredners bei einem auslöst, sind die wundersamen Heil- und Wirkkräfte, die den Erkenntnisgewinn und die Veränderungsbereitschaft nachhaltig fördern. Nur wer sich intensiv mit diesem "Genesungsweg“ auseinandersetzt, kann begreifen, warum man dort von "ansteckender Gesundheit“ spricht. Es ist schwer nachvollziehbar, warum die Institutionen, die sich mit Gesundheit beschäftigen, sich über diesen hocheffizienten und kostenlosen Genesungsweg so unzureichend informiert zeigen und dieser segensreichen Selbsthilfebewegung so wenig Aufmerksamkeit schenken.

Die meisten Menschen ändern ihre Verhaltensmuster, die sie in die Krankheit hineingeführt haben, leider nicht selbständig. Ihre langjährig erworbene, fest verankerte "neurotische Fehlhaltung“ verhindert einen tiefen, "furchtlosen“ Einblick in ihre Persönlichkeitsstruktur und in das seelische Bedingungsgefüge, welches zur Entstehung der Erkrankung beigetragen hat. Wir Männer sind hier Frauen gegenüber eindeutig im Nachteil, denn Kapitulation und die daraus resultierende Verhaltensänderung aufgrund besserer Einsichten gilt bei uns nach wie vor als Schwäche und nicht als Stärke. Therapiebegleitend kann der Genesungsweg in einer 12-Schritte-Selbsthilfegruppe ermöglicht oder optimiert werden, die es in jeder größeren Stadt gibt. Hierbei geht es um die bedingungslose Anwendung des 4. Schrittes, der da heißt:
„Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren“.
Gewollt ist das Auslösen einer tiefen Trauer über das zurückliegende, selbstschädigende Verhalten und somit die ehrliche Bereitschaft, das eigene Verhalten nachhaltig im Sinne von Selbstliebe, Selbstachtung und Achtsamkeit zu verändern. „Wollen habe ich wohl, aber vollbringen - das Gute -, das konnte ich nicht“ Die Umsetzung unserer Erkenntnisse in den Alltag setzt nach gründlicher Reflexion und Diskussion das einvernehmliche Entwickeln von verbindlichen Familienregeln sowie deren Umsetzung in unseren Tagesplan voraus. Diese sollten wir beispielhaft vorleben und überall vertreten. Nur wenn wir wieder - aus unserer neugewonnenen psychohygienischen Erkenntnis heraus - Rituale entwickeln und diese Tag für Tag, so lange wiederholen, bis wir uns daran gewöhnt haben, und wenn wir diese neuen Formen nie mehr missen möchten, nur dann werden wir Erfolg haben. Dies wird aber heißen, dass wir nicht mehr mit dem Strom der modernen Zeit schwimmen, sondern Querdenker und Trendsetter werden wollen. Auch mit dem Entwickeln von Zivilcourage und dem standfesten Vertreten unserer Überzeugungen werden wir auf unserem Weg zu körperlicher und geistiger Gesundheit weiterkommen. Das ist nicht einfach. Denn wie sagte Henry Ford: „Gegen den Strom schwimmen ist deshalb so schwer, weil einem so viele entgegen kommen“. Wir sollten uns aber bei der Umsetzung unserer neuen Zielvorstellungen gute Freunde suchen, um uns wechselseitig bei der gemeinsamen Umsetzung unserer zunächst einmal unpopulären Ziele zu unterstützen. Wir sollten die Trendwende, ein neues Zeitalter der Zivilcourage propagieren und einleiten und damit selbst zum Trendsetter werden. Wir sollten unsere familiären Rahmenbedingungen für psychohygienische Lebensbedingungen, unsere Clans abstecken und kulturbewahrende Duftmarken setzen. Wir sollten auch unseren Freunden und den anderen zeigen, wo unser neuer Weg lang geht, ein Weg, der Liebe in unserer Familie und unserem näheren Umfeld erst bleibend möglich macht. Wir sollten es schon heute beginnen, und es uns immer wieder neu, für jeden weiteren Tag unseres Lebens vornehmen, und zwar furchtlos und treu, stets gemäß unseres zu verteidigenden Lebensführerscheins.

 

psychohygiene.zip Download "Seelische Fitness [Psychohygiene]"
[psychohygiene.zip - 24 kb]

Sie benötigen ein Zip-Programm, um die Datei zu entpacken. Falls Sie kein Zip-Programm auf Ihrem Computer installiert haben, dann können Sie dieses unter www.freewareportal.de herunterladen.

Download des AcrobatReader Um diesen Artikel zu lesen, benötigen Sie den AcrobatReader von Adobe.
Klicken Sie links auf das Icon, um den AcrobatReader herunterzuladen.

 

TOP - zurück zum Seitenanfang