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Hufeland
Ein Gesundheitserzieher und Lebenswandler seiner und unserer Zeit

 

Er sagt über die Heilkraft der Natur:

Die Natur bleibt immer eine gütige Mutter, und sie liebt und belohnt den, der sie sucht, und es ist uns gleich nicht allemal möglich, das zu hoch gesteckte Ziel unsres Strebens zu erreichen, so können wir doch gewiß sein, auf dem Weg schon so viel Neues und Interessantes zu finden, daß uns schon der Versuch, ihr näher zu kommen, reichlich belohnt wird. - Nur hüte man sich, mit zu raschen und übermütigen Schritten auf sie einzudringen.

Alle Krankheitsheilungen werden durch die Natur bewirkt; die [ärztliche] Kunst ist nur ihr Gehilfe, und heilt nur durch sie. So wie der äußeren Erscheinung jeder Krankheit ein innerer krankhafter Zustand des organischen Lebens, ein innerer Krankheitsprozeß, zum Grund liegt und ihr Dasein allein bedingt, eben so liegt jeder äußeren Heilung ein innerer Heilungsprozeß - eine Tätigkeit des organischen Lebens zur Umänderung und Zurückführung des abnormen Zustandes in den normalen - zum Grunde, und macht sie ganz allein möglich.

Ja, was der Heilkraft der Natur die Krone aufsetzt, ist ihr Sieg über die verschiedensten, entgegengesetztesten, oft unvernünftigsten Heilmethoden.

 

Er sagt über den Lebenswandel und die Krankheitsvorbeugung:

Wir sind beständig von Freunden und Feinden des Lebens umgeben. Wer es mit den Freunden des Lebens hält, wird alt; wer hingegen die Feinde vorzieht, verkürzt sein Leben.

Ein gewisser Grad von Kultur ist dem Menschen auch physisch nötig und befördert die Länge des Lebens. Der rohe Wilde lebt nicht so lange.

Krankheitsursachen abzuhalten ist nicht immer möglich [...]. Aber die Wege, durch welche sie auf uns wirken, in den Stand zu setzen, daß sie ihrer weniger empfänglich sind, dies steht in unserer Gewalt.

 

Und er ist weiter der Überzeugung:

Was heißt denn Leben des Menschen? Wahrlich nicht bloß essen, trinken und schlafen [...]. Das Leben des Menschen hat eine höhere Bestimmung: Er soll wirken, handeln, genießen, er soll nicht bloß da sein, sondern sein Leben soll die in ihm liegenden göttlichen Keime entwickeln, sie vervollkommnen, sein und anderer Glück bauen [...].

Muße? Das ist das Gegenteil von Nichtstun. Es ist gesteigerte Empfänglichkeit, ein Tun, das nicht aus dem Zwang der Not kommt, nicht aus der Gier nach Gewinn, nicht aus dem Gebot oder der Pflicht, sondern allein aus der Liebe und der Freiheit. Es ist die anspruchsvollste aller Beschäftigungen, weil sie aus dem Kern unseres Wesens hervorgeht und aus der Freude am Schaffen selbst getan wird. Es ist vor allem die unverwelkliche Fähigkeit zum Staunen und zum Ergriffensein.


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