|
Wesentlich umfassender und in seinem Ansatz ganzheitlicher, damit auch von Prävention und Eigeninitiative geprägt, sozialer, ökologischer und humaner erscheint uns der Consensus der Ottawa Charta for Health Promotion vom 21.11.1986, in der es heißt „Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben, sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen. Füreinander Sorge tragen, Ganzheitlichkeit und ökonomisches Denken sind Kernelemente bei der Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung“. Gesundheit ist auch ein verbrieftes Menschenrecht. Das Recht des Einzelnen auf „das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit“ ist durch internationale Konventionen kodifiziert. Daher fordert auch die EU-Grundrechtscharta für die Durchsetzung jeglicher politischer Maßnahmen ein „hohes Gesundheitsschutzniveau“. Gesundheit ist nicht selbstverständlich, ist nicht einfach da. Gesundheit muss andauernd erworben werden. Erwerben heißt aneignen. Wir müssen etwas dafür tun, auch für ihre Erhaltung. Man kann auch sagen „Gesundheit ist ein Geschenk, das man sich täglich selbst gibt“. Jedenfalls ist es kein Produkt oder Erzeugnis, das man in Gesundheitscentern oder im Versandhandel kauft. Gesundheit ist auch kein Glücksgewinn, sondern ein aktiver Prozess. Unser Organismus verfügt über mannigfaltige Mechanismen, mit Krankheiten selbst, das heißt, ohne die Hilfe eines anderen fertig zu werden. Die Hilfe sind wir selbst. Unser Immunsystem und die es positiv beeinflussenden Faktoren bestimmen mit, wie schnell wir einer Erkrankung Herr werden. Jetzt wird auch verständlich, dass Jahrhunderte lang der Sinnspruch des römischen Schriftstellers Juvenal (Satire X/356): „Orandum
est, ut sit mens sana „ein gesunder Köper in einem gesunden Geist“ völlig sinnverdrehend interpretiert wurde. „Es muss gebetet werden, dass ein gesunder Geist (Sinn) in einem gesunden Körper sei“, muss es heißen. Nicht der gesunde Körper ist Garant für einen vernünftigen Geist. Nein, der gesunde Geist ist ausschlaggebend für die Beherbergung eines gesunden oder gesundenden Körpers. So gibt es immer häufiger Ärzte mit psychosomatischer Ausbildung und Erfolg in ihrem Handeln, ganzheitlich ausgerichtete Onkologen, Präventivmediziner, Psychologen und Psychotherapeuten, aber auch Naturheilkundler und entsprechend ausgebildete Heilpraktiker, die diesen Gesundheitszugang propagieren und damit langfristig erfolgreich sind.
Gesundheit behüten Beim Erwerben von Lebenskompetenz kommen zwangsläufig Gesundheitsrisiken zur Sprache. Sie bestimmen mit, wie sich unser Leben gestaltet. Folgende Gesundheitsrisiken müssen wir auseinander halten:
Das fatale an Gesundheitsrisiken
ist, dass man einige nicht kennt oder gar sieht (Gene). Andere Risiken
kennt man zwar, aber
ignoriert sie, weil man sich in ihrem Handling überschätzt.
Die schlimmsten Risiken sind die letzteren, denen man sich in Form von
Giften wie Nikotin, Alkohol, Drogen oder seelischer und sozialer Deformierung
bewusst hingibt. Verkompliziert wird die Wirkkaskade noch dadurch, dass
ja nicht aus jedem Risiko eine Krankheit entstehen muss und wenn, dann
oft mit zeitlicher Verzögerung. Denn die Gesundheit verzeiht nicht
unablässig. In einem ersten Abschnitt werden diejenigen Risiken für körperliche und geistige Gesundheit erwähnt, denen wir uns selbst aussetzen oder an deren Entstehung wir maßgeblich beteiligt sind. Im zweiten Abschnitt werden Beispiele genannt, wie man Krankheiten vorbeugen kann. Hierzu gehört auch die Prävention von schicksalhaften Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und bestimmte Stoffwechselentgleisungen.
Gesundheitliche Fahrlässigkeiten Alkohol:
Auch wer Alkohol in Maßen, kontrolliert und als Genuss verstehend
zu entsprechenden Anlässen konsumiert, sollte hier fortfahren zu
lesen. Denn es geht auch darum, in der Lage zu sein, einen für sich
klaren Umgang mit dem Thema als Botschaft weiterzugeben. Wichtigste Zielgruppe
ist die Jugend. Denn Alkoholmissbrauch ist wie „Suizid auf Raten“.
Der jährliche pro Kopf-Verbrauch beträgt in Deutschland 11 Liter
reinen Alkohols. Die 3,5 Milliarden € Steuereinnahmen durch Alkoholika
stehen in keinem Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Gesamtschaden
von jährlich 20 Milliarden €: 1100 Verkehrstote, 40 000 Tote
in direkter Verbindung mit dem Alkohol, Gewalttaten, chronische Krankheiten,
Schäden am Sozialsystem und am Gemeinwesen. Alkoholmissbrauch (heute
besser als schädlicher Gebrauch bezeichnet) lässt sich von Alkoholabhängigkeit
zwar willkürlich und für juristische Zwecke scharf trennen,
für den Betroffenen sind die Übergänge jedoch fließend.
Alkoholmissbrauch betreibt, Alkohol also „schädlich gebraucht“,
wer ständig oder wiederkehrend das zwanghafte Bedürfnis hat,
Alkohol zu trinken. Ziel ist das Herbeiführen eines „positiven“
und das Vermeiden eines „negativen“ Gefühls. Typisch
ist auch die Unfähigkeit, die Alkoholmenge jederzeit kontrollieren
zu können. Es kommt zu allgemeinen Verhaltensänderungen, negativen
körperlichen, geistigen und seelischen Folgen. Charakteristisch ist
die erhöhte Alkoholtoleranz mit der Gier nach Dosissteigerung (Sucht).
Bei der Alkoholabhängigkeit kommen Kontrollverlust beim Alkoholtrinken
und ein psychosoziales Abgleiten als Folgen hinzu. Es kommt dann zur Vernachlässigung
anderer Neigungen und Interessen zugunsten des Alkohols. Entzugserscheinungen
können mit schwerwiegenden, mitunter lebensgefährlichen Gesundheitsrisiken
einhergehen. Alkoholassoziierte Organschäden treten nach unterschiedlich
langem Missbrauch auf. Kaum ein Organ bleibt verschont. Hierbei geht es
um chronische Entzündungen, Krebsentstehung, schwere Funktionsstörungen
der großen Verdauungsdrüsen, Störungen am Immunsystem,
Stoffwechselkrankheiten und Ausfälle im Bereich der Sexualfunktionen.
Soziale Folgen betreffen die Familie, den Arbeitsplatz und den Freundeskreis.
Am Ende der Skala stehen Gesetzesüberschreitungen und Kriminaldelikte. Rauchen: Die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Tabakrauchens als Erkrankungs- und Todesrisiko für chronische Lungenkrankheiten einschließlich Lungenkrebs, andere Krebse wie die des Mund-Rachenraumes und Kehlkopfs, des Magens, der Bauchspeicheldrüse, der Harnblase und anderer Organe, die begünstigenden Effekte auf Bluthochdruck, chronische Gefäßerkrankungen einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall (wissenschaftlich: Gehirninfarkt), Magen-, Darm-, Augen-, Ohren-, Zahn-, Haut- und Knochenkrankheiten ist bekannt oder abrufbar. Daher fordern wir, Aspiranten an einem Lebensführerschein dem Rauchen zu entsagen und dies nach außen freimütig zu vertreten. Denn Tabakrauchen ist das größte bekannte (und anerkannte) Gesundheitsübel, das Menschen sich tagtäglich selbst zufügen. Und zwar meist im Wissen, was sie tun. Es steht auf der Zigarettenschachtel. Frauen holen erstaunlich konsequent auf. Junge Mädchen haben mit ihren männlichen Altersgenossen bereits gleichgezogen! Die Zigarette das einzige Produkt, das, wenn es wie gewünscht benutzt wird, seinen Konsumenten tötet. Lebenslange Raucher haben eine 50 Prozent-Chance, am Rauchen zu sterben, und dies durch Tabak, ein legales Konsumprodukt. Aufsehen erregte in Frankreich ein anlässlich hoher TV-Einschaltquoten direkt vor einem Fußballweltmeisterschaftsspiel 2002 eingespielter Infospot, dass in einem täglich konsumierten Produkt Spuren von Blausäure, Quecksilber, Aceton und Ammoniak entdeckt worden seien. Die eingeblendete Telefonnummer führte zu einer Tonbandstimme, die weitere Informationen zur Gefahr des Zigarettenrauchens gab. Rauchen wirkt als „Cokiller“. Denn wir kennen keinen Raucher, der nicht noch anderen riskanten Lebensstilen nachgeht oder Gesundheitsrisiken akzeptiert: Bewegungsarmut, Übergewicht, Bluthochdruck, Stress, falsche Ernährung - um nur die wichtigsten in der Risikospirale zu nennen. Bildung an sich, Schulbildung und entsprechender Sozialstatus sowie Erfahrungen in der Familie führen dazu, eher nicht mit dem Rauchen zu beginnen oder das Rauchen aufzugeben. Am besorgniserregendsten ist die Situation unter den 12-17jährigen: 26% rauchen im Westen, 33% in den neuen Bundesländern. Nach Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung probieren mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen durchschnittlich mit knapp 14 Jahren das Rauchen. Wer mit 15 mit dem Rauchen beginnt, hat später ein dreimal höheres Krebstodesrisiko als derjenige, der erst 10 Jahre später beginnt. Helfen wir den Jugendlichen beim schnellen Ausstieg oder besser noch: verhindern wir den Einstieg. Denn eins steht unumstößlich fest: Zigarettenprävention ist auch Alkoholprävention. Und beide Hilfestellungen beugen Drogenkonsum vor. In "Die Stadt in der Wüste / Citadelle"
sagte Antoine de Saint-Exupéry: Es geht also darum, Sehnsucht zu erzeugen. Aus Nikotinsucht muss Sehnsucht werden, es nicht mehr zu wollen. Carr sagt, es gehe vor allem darum, die absolute Nutzlosigkeit des Rauchens der gewonnenen Freiheit nach dem Aufhören gegenüber zu stellen. Es geht um die Vermittlung des Gefühls der Befreiung von Alpträumen und Sklaverei. Es geht um die wieder erlangte Freiheit, nicht mehr um Mitternacht in Pantoffeln zum nächsten Automaten oder zur Tankstelle um die Ecke zu müssen. Es gehe darum, Weiterrauchende mit Mitleid anstatt mit Neid zu betrachten. Daher wünschen wir nikotinfreie Inhaber des Lebensführerscheins.
Gesundheitsrisiken
Bluthochdruck: Ein permanent über die Norm erhöhter Blutdruck ist kein Kavaliersdelikt der Natur. Vielen tut ein leicht erhöhter Druck gut. Und wenn man ihn medikamentös in den normalen Bereich drückt, fühlen sie sich schlechter. Der Antrieb lässt nach, Müdigkeit mag den Lebensablauf beeinträchtigen. Trotzdem gehört ein erhöhter Blutdruck nachhaltig normalisiert. Bluthochdruck ist ein langsamer und leiser Killer. Denn die Auswirkungen sind am Ende der Herzinfarkt und der Gehirnschlag. Ein Drittel aller Hochdruckkranker kann durch tägliches Körpertraining und Gewichtsreduktion seine Situation gesundheitsfördernd verbessern. Zuckerkrankheit: Eine Volkskrankheit, die uns jährlich Milliarden an Therapie und Folgekosten anderer Krankheiten kostet. Abgesehen von den selteneren Formen eines genetisch fixierten Diabetes sind ganz viele Fälle Ausdruck eines falschen Lebensstils: Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel
Prävention und Vorsorge (Früherkennung)
Krebsvorbeugung: Auf Krebs
bezogen heißt Tumorprävention zum einen, dem Krebs zuvorkommen,
ihn entweder aus noch nicht krankmachenden Vorstufen herausdrängen,
oder Krebsfrühformen unterdrücken bzw. eliminieren. Das wäre
die sogenannte primäre Prävention, die eng verknüpft ist
mit der Krebsvorsorgeuntersuchung. Sie ist eine gute Voraussetzung für
eine gesunde Zukunft. Primäre Prävention kann nur als langfristiges,
d.h. frühzeitig angelegtes Verhaltenskonzept erfolgreich sein. Geht es um Früherkennung, Krebsvorsorgeuntersuchung oder allgemein um die Vermeidung nachweislich krebserzeugender, freiwillig eingenommener Gifte oder als krebsfördernd akzeptierter Lebensweisen, so hören Ärzte oft Äußerungen bar jeglicher Vernunft: trotz regelmäßiger Krebsvorsorgeuntersuchung könne man daran erkranken; erst nach der Diagnose müsse man während der Therapie viel schlimmes mitmachen; andere gingen mit Zigaretten und Alkohol ein Leben lang unvernünftig um und erfreuten sich eines langen Lebens bei guter Gesundheit. Solche und andere sogar ernst gemeinte Vorhaltungen spiegeln letztlich folgende gut untersuchte Verhaltens- und Meinungsmuster wider: Zum einen die schier unaussprechliche Angst vor der Diagnose Krebs und dem, was danach kommt; zum anderen der oft schlechte Stand der Gesundheitsaufklärung, sowie schließlich die unterschwellige Sehnsucht, der Kelch möge an einem selbst vorbei gehen. Es geht hier um die Frage, wie der einzelne bestimmte Gesundheitsrisiken wahrnimmt und gegen besseres Wissen unvernünftige Entscheidungen trifft. Denn nicht nur die unbewiesene Annahme, sondern auch das Wissen um bestimmte Sachverhalte führt nicht immer mit Konsequenz zu entsprechendem Handeln. Der Begriff Krebsvorsorge erscheint heute vielen Bürgern missverständlich. Zunächst muss klargestellt werden, dass Krebsprävention durch entsprechende Lebensweise die Sterberate an bösartigen Erkrankungen durch Erkrankungsverhinderung reduzieren kann. Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann dies auch, jedoch ohne im Einzelfall den bösartigen Tumor zu verhindern. Vielmehr geht es um eine vorsorgende Untersuchung. Nach vorsichtigen Schätzungen könnte heute durch konsequente Maßnahmen und Verhaltensweisen ein Drittel aller Krebserkrankungen vermieden bzw. Krebstodesfälle verhindert werden. Männer sind zu Maßnahmen der Krebsfrüherkennung weniger bereit als Frauen! Männer erkranken und sterben auch häufiger an Krebs als Frauen! Praktische Anwendung der
Krebsvorsorgeuntersuchung: Die Krebsvorsorge ist ein mengenmäßig bedeutender Bestandteil
der routinemäßigen Diagnostik der weiblichen und männlichen
Genitalorgane. Dennoch sind nach mehr als dreißig Jahren seit Einführung
verwertbare Rückschlüsse in Richtung einer optimalen Früherkennung
bisher nicht erlaubt. Diese haben die Urologen durch eine verfeinerte
Labordiagnostik im Blut (PSA-Wert als Frühwarntest für den Prostatakrebs)
und die Frauenärzte und Röntgenärzte durch die Anwendung
der Mammographie zur Frühdiagnose des Brustkrebs außerhalb
des gesetzlichen Krebsvorsorgeprogramms gewonnen. Die Krebsvorsorgeuntersuchung
der gesetzlichen Krankenversicherung schließt neben der klinischen
Ganzkörperuntersuchung eine sogenannte Krebssuche (Screening) für
die Organe Enddarm, Haut, regionale Lymphknoten und über die Stuhlanalyse
auf unsichtbares Blut (HaemoccultR-Test), das Screening des Magen-Darm-Trakts
mit ein. Seit 2002 übernehmen die Krankenkassen ab dem 56. Lebensjahr
ebenfalls zwei Darmspiegelungen als Krebsvorsorgemaßnahme. Bei Frauen
und Männern können bösartige Tumoren der äußeren
und inneren Genitalorgane frühzeitig entdeckt werden. Bei Männern
steht der Prostatakrebs, bei Frauen der Brustkrebs an erster Stelle der
Häufigkeit und Sterblichkeitsskala. Über die zusätzliche
Blutdruckmessung erfolgt die Aufdeckung des Bluthochdruck, des folgenschwersten
Herz-Kreislaufrisikos überhaupt.
Krankheitsabwehr
Es gibt aber auch sogenannte „Nichtkrankheiten“. Hierunter möchten wir menschliche und damit natürliche, meist physiologische Vorgänge verstanden wissen, die oft als medizinisch relevante Befindlichkeitsstörungen definiert werden, bei denen es vielen „Betroffenen“ besser ginge, wenn keiner diese Veränderungen je mit Medizin oder Krankheit in Verbindung gebracht hätte. Hiermit nichts zu tun haben anatomische und funktionelle Fehler, die sich durch korrigierende medizinische Eingriffe beheben lassen. Für die wichtigsten Nichtkrankheiten (auch als Lästigkeiten aufzufassen) halten wir das Altern, die Tränensäcke, die Glatze, Sommersprossen, vorübergehende Potenzprobleme, abstehende Ohren, graue Haare, den Jetlag, die Cellulitis, Besenreiser und das Unglücklichsein. Zur Veränderung einiger Nichtkrankheiten, die oft nicht einmal den Stellenwert von Schicksalsschlägen haben, hat sich eine überflüssige und damit auf Dauer vergängliche kosmetische, dekorative „Can-do-Medizin“ etabliert.
Sie benötigen ein Zip-Programm, um die Datei zu entpacken. Falls Sie kein Zip-Programm auf Ihrem Computer installiert haben, dann können Sie dieses unter www.freewareportal.de herunterladen.
|