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Gesundheitsrisiken und Prävention


Fragt man den Einzelnen unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status, was er unter Gesundheit verstehe, so wird die überwiegende Zahl Gesundheit mit Wohlergehen, Freude, Schmerzfreiheit und Leistungsfähigkeit verbinden. Ein Drittel wird sagen: „Gesundheit ist, wenn ich nicht krank bin“. Amtlich Definitionen umfassen das Thema meist auch in Verbindung mit dem Begriff Lebensqualität ganzheitlich.
So ist die Lebensqualität als eigenständiger Begriff bereits seit 1947 eingebettet in der von der Weltgesundheitsorganisation WHO verabschiedeten Verfassung. Sie beschreibt Gesundheit als das völlige Fehlen von Symptomen einer Erkrankung, aber auch als einen „Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“. Was da gefordert wird ist nicht mehr und nicht weniger als der intakte Übermensch.

Wesentlich umfassender und in seinem Ansatz ganzheitlicher, damit auch von Prävention und Eigeninitiative geprägt, sozialer, ökologischer und humaner erscheint uns der Consensus der Ottawa Charta for Health Promotion vom 21.11.1986, in der es heißt „Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben, sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen. Füreinander Sorge tragen, Ganzheitlichkeit und ökonomisches Denken sind Kernelemente bei der Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung“.

Gesundheit ist auch ein verbrieftes Menschenrecht. Das Recht des Einzelnen auf „das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit“ ist durch internationale Konventionen kodifiziert. Daher fordert auch die EU-Grundrechtscharta für die Durchsetzung jeglicher politischer Maßnahmen ein „hohes Gesundheitsschutzniveau“.

Gesundheit ist nicht selbstverständlich, ist nicht einfach da. Gesundheit muss andauernd erworben werden. Erwerben heißt aneignen. Wir müssen etwas dafür tun, auch für ihre Erhaltung. Man kann auch sagen „Gesundheit ist ein Geschenk, das man sich täglich selbst gibt“. Jedenfalls ist es kein Produkt oder Erzeugnis, das man in Gesundheitscentern oder im Versandhandel kauft. Gesundheit ist auch kein Glücksgewinn, sondern ein aktiver Prozess.

Unser Organismus verfügt über mannigfaltige Mechanismen, mit Krankheiten selbst, das heißt, ohne die Hilfe eines anderen fertig zu werden. Die Hilfe sind wir selbst. Unser Immunsystem und die es positiv beeinflussenden Faktoren bestimmen mit, wie schnell wir einer Erkrankung Herr werden. Jetzt wird auch verständlich, dass Jahrhunderte lang der Sinnspruch des römischen Schriftstellers Juvenal (Satire X/356):

„Orandum est, ut sit mens sana
in corpore sano",

„ein gesunder Köper in einem gesunden Geist“ völlig sinnverdrehend interpretiert wurde. „Es muss gebetet werden, dass ein gesunder Geist (Sinn) in einem gesunden Körper sei“, muss es heißen. Nicht der gesunde Körper ist Garant für einen vernünftigen Geist. Nein, der gesunde Geist ist ausschlaggebend für die Beherbergung eines gesunden oder gesundenden Körpers. So gibt es immer häufiger Ärzte mit psychosomatischer Ausbildung und Erfolg in ihrem Handeln, ganzheitlich ausgerichtete Onkologen, Präventivmediziner, Psychologen und Psychotherapeuten, aber auch Naturheilkundler und entsprechend ausgebildete Heilpraktiker, die diesen Gesundheitszugang propagieren und damit langfristig erfolgreich sind.

 

Gesundheit behüten


Der behutsame Umgang mit seiner Gesundheit scheint zunächst als die schwierigste Aufgabe, der wir uns immer wieder zu stellen haben. Wenn wir jedoch unseren Körper täglich beachten, dann werden wir auch achtsam mit unserer Gesundheit verfahren. Achtsamkeit mit der Gesundheit heißt aber auch, nicht verschwenderisch damit umgehen, genügsam werden, es genug sein lassen, sich bescheiden. Ein zentrales Anliegen von Behutsamkeit ist Vorbeugung.
Salutogenese („Gesundwerden und Gesundbleiben“) hat viel mit vorbeugender Gesunderhaltung (im Gegensatz zur Reparaturmedizin) zu tun. Hier liegt es bei Männern im Vergleich zu Frauen noch im Argen. Männer sind eher Reparateure, Techniker, der Wiederherstellung verhaftete Menschen. Das spiegelt sich auch im Umgang mit ihrer Gesundheit und im Verständnis für ihre Krankheit wider. Sie gehen spät zum Arzt, halten wenig von Vorsorgeuntersuchungen und ordnen mehr als Frauen Gesundheit ihrer genetischen und sozialen Männerrolle unter. Männer haben einen Hang zum Risiko. Dem Thema Männergesundheit wurde bisher in unserer Gesellschaft weit weniger Augenmerk gewidmet als den Gesundheitsbelangen der Frau. Andererseits gibt es ausreichende Anhalte dafür, dass Frauen bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt) diagnostisch, therapeutisch und, was die Heilung anbelangt, schlechter wegkommen als Männer.

Beim Erwerben von Lebenskompetenz kommen zwangsläufig Gesundheitsrisiken zur Sprache. Sie bestimmen mit, wie sich unser Leben gestaltet. Folgende Gesundheitsrisiken müssen wir auseinander halten:

  1. Gesundheitsrisiken, die wir von unseren Eltern geerbt haben, die also auf unserem genetischen Datenträger, dem Genom festgelegt sind. Wir sprechen von Veranlagung. Gern entziehen wir uns aus deren Einfluss durch die Festlegung, dieses oder jenes Risiko liege in der Familie.
  2. Gesundheitsrisiken, denen wir in unserer beruflichen, familiären und freizeitlichen Umwelt ausgesetzt sind oder uns bewusst aussetzen. Hierzu gehören auch Unfälle im Erwerbsleben oder bei Extremsportarten in der Freizeit, in der eigentlich Regeneration angesagt wäre.
  3. Gesundheitsrisiken, denen wir uns bewusst und selbstverschuldet (oft trotz Gegenwarnungen) aussetzen in der Hoffnung, dass „der Kelch schon an einem vorüber gehe“.

Das fatale an Gesundheitsrisiken ist, dass man einige nicht kennt oder gar sieht (Gene). Andere Risiken kennt man zwar, aber ignoriert sie, weil man sich in ihrem Handling überschätzt. Die schlimmsten Risiken sind die letzteren, denen man sich in Form von Giften wie Nikotin, Alkohol, Drogen oder seelischer und sozialer Deformierung bewusst hingibt. Verkompliziert wird die Wirkkaskade noch dadurch, dass ja nicht aus jedem Risiko eine Krankheit entstehen muss und wenn, dann oft mit zeitlicher Verzögerung. Denn die Gesundheit verzeiht nicht unablässig.
Zwar ist auch im Straßenverkehr die Dunkelziffer der gefährlichen Delikte sehr hoch, aber mit jeder neuen Übertretung von Verkehrsregeln, mit jeder Promillefahrt, mit jeder überfahrenen roten Ampel und mit jeder Geschwindigkeitsüberschreitung nimmt die Wahrscheinlichkeit des Erwichtwerdens zu.

Eins vorweg: eine maßvolle Lebensweise bei gesunder Ernährung, die Sorge um körperliche und geistige Fitness, und die Eliminierung selbst zerstörerischer Gifte sind der Schlüssel zu jeglicher Krankheitsvorbeugung. Und das hat nichts mit Verzicht auf Lust und Genuss zu tun!

In einem ersten Abschnitt werden diejenigen Risiken für körperliche und geistige Gesundheit erwähnt, denen wir uns selbst aussetzen oder an deren Entstehung wir maßgeblich beteiligt sind. Im zweiten Abschnitt werden Beispiele genannt, wie man Krankheiten vorbeugen kann. Hierzu gehört auch die Prävention von schicksalhaften Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und bestimmte Stoffwechselentgleisungen.

 

Gesundheitliche Fahrlässigkeiten


Fahrlässigkeiten, die unsere Lebensqualität auf Dauer maßgeblich verschlechtern können und/oder unsere Lebenserwartung verkürzen, sind Alkoholmissbrauch, Rauchen, falsche Ernährung und Übergewicht, Bewegungsmangel und der inadäquate Umgang mit Stress. Sie haben alle etwas mit der prinzipiellen Frage nach dem Wunsch zu tun, welches Leben ich leben will. Welchen Lebenswandel bin ich gewillt, konsequent und nachhaltig zu verfolgen und mir gegenüber in Fällen der Versuchung und der Zweifel zu vertreten? Gleichgültigkeit der Gesundheit gegenüber ist viel häufiger anzutreffen als spezifische Angst vor bestimmten Krankheiten. Im ersten Fall herrscht die Hoffnung vor, es werde schon nicht gerade einen selbst treffen. Im zweiten Fall mögen lebensgefährliche Erkrankungen gehäuft in der Familie vorgekommen sein, so dass man auf ein erhöhtes Risiko auch auf sich selbst schließt. Bekannt ist die Krebsangst (Karzinophobie) und die Herzangst (Herzphobie). In beiden Fällen krankhafter Angst glauben diese Betroffenen, durch übertrieben häufige Arztkonsultationen diese Krankheiten abwenden zu können. Nach einer repräsentativen Umfrage 2001 haben, nach ihren Ängsten befragt, 56% der Bundesbürger Angst, unheilbar krank zu werden. Diese Angst wird aber nicht wie bei den krankhaft Angstgeplagten in Achtsamkeit und Gesundheitsfürsorge umgeleitet. Gleichgültigkeit hat jedoch fatale Folgen, wie folgende Beispiele belegen.

Alkohol: Auch wer Alkohol in Maßen, kontrolliert und als Genuss verstehend zu entsprechenden Anlässen konsumiert, sollte hier fortfahren zu lesen. Denn es geht auch darum, in der Lage zu sein, einen für sich klaren Umgang mit dem Thema als Botschaft weiterzugeben. Wichtigste Zielgruppe ist die Jugend. Denn Alkoholmissbrauch ist wie „Suizid auf Raten“. Der jährliche pro Kopf-Verbrauch beträgt in Deutschland 11 Liter reinen Alkohols. Die 3,5 Milliarden € Steuereinnahmen durch Alkoholika stehen in keinem Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von jährlich 20 Milliarden €: 1100 Verkehrstote, 40 000 Tote in direkter Verbindung mit dem Alkohol, Gewalttaten, chronische Krankheiten, Schäden am Sozialsystem und am Gemeinwesen. Alkoholmissbrauch (heute besser als schädlicher Gebrauch bezeichnet) lässt sich von Alkoholabhängigkeit zwar willkürlich und für juristische Zwecke scharf trennen, für den Betroffenen sind die Übergänge jedoch fließend. Alkoholmissbrauch betreibt, Alkohol also „schädlich gebraucht“, wer ständig oder wiederkehrend das zwanghafte Bedürfnis hat, Alkohol zu trinken. Ziel ist das Herbeiführen eines „positiven“ und das Vermeiden eines „negativen“ Gefühls. Typisch ist auch die Unfähigkeit, die Alkoholmenge jederzeit kontrollieren zu können. Es kommt zu allgemeinen Verhaltensänderungen, negativen körperlichen, geistigen und seelischen Folgen. Charakteristisch ist die erhöhte Alkoholtoleranz mit der Gier nach Dosissteigerung (Sucht). Bei der Alkoholabhängigkeit kommen Kontrollverlust beim Alkoholtrinken und ein psychosoziales Abgleiten als Folgen hinzu. Es kommt dann zur Vernachlässigung anderer Neigungen und Interessen zugunsten des Alkohols. Entzugserscheinungen können mit schwerwiegenden, mitunter lebensgefährlichen Gesundheitsrisiken einhergehen.
Sogenannter riskanter Alkoholkonsum stellt mittlerweile das zahlenmäßig größte Problem in unserer Gesellschaft dar. Von riskantem Konsum spricht man, wenn eine tägliche Grenzmenge von 20 g Alkohol für Frauen und 40 g für Männer über einen längeren Zeitraum überschritten wird und zu Gesundheitsschäden führt. Die 9,3 Millionen Deutsche mit Alkoholproblemen verteilen sich wie folgt: 5 Mill. riskanter Konsum, 2,7 Mill. schädlicher Gebrauch, 1,6 Mill. Alkoholabhängigkeit. Auch soziokulturelle Faktoren bestimmen die Eigenwirkung von Alkohol. So sind besonders jene Menschen gefährdet, bei denen Alkohol zu einem gesellschaftlichen Bestandteil gehört oder bei denen Alkohol eine ausgeprägte entspannende Wirkung hat.

Alkoholassoziierte Organschäden treten nach unterschiedlich langem Missbrauch auf. Kaum ein Organ bleibt verschont. Hierbei geht es um chronische Entzündungen, Krebsentstehung, schwere Funktionsstörungen der großen Verdauungsdrüsen, Störungen am Immunsystem, Stoffwechselkrankheiten und Ausfälle im Bereich der Sexualfunktionen. Soziale Folgen betreffen die Familie, den Arbeitsplatz und den Freundeskreis. Am Ende der Skala stehen Gesetzesüberschreitungen und Kriminaldelikte.
Zur Erlangung und zum permanenten Erhalt des Lebensführerscheins gehört eine klare, glaubhafte und nach außen hin mutvolle Absage dem nutzlosen Alkoholtrinken gegenüber. Hier geht es nicht um Abstinenz. Es geht um den Alkoholkonsum als quasi gesellschaftlich nicht nur akzeptierten und legalisierten, sondern geradezu geforderten Lebensstil zum Feierabend, in der Freizeit, ja, am Arbeitsplatz, überall.
Wenn in Erwachsenenkreisen von „mäßigem Alkoholgenuss“ die Rede ist, wird gern die Schutzwirkung auf Herz und Kreislauf angeführt. Hierbei wird leider diesen 20 bis 40 Gramm Alkohol pro Tag eine Alibifunktion zugedacht. Schlimmer noch ist der Gesundheitsanspruch, den die weinerzeugende Industrie aus dieser Alkoholwirkung ableitet. Fest steht, dass Männer, die regelmäßig 30g Alkohol pro Tag zu sich nehmen, seltener an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße versterben als Abstinenzler. Für Frauen liegt diese Alkoholmenge deutlich niedriger. Maßgeblich ist nicht die durchschnittliche Alkoholaufnahme, sondern ihre Regelmäßigkeit. Die Schutzwirkung bezieht sich sehr wahrscheinlich ausschließlich auf den Äthylalkohol, so dass der Alkoholträger (Bier, Wein, Spirituosen) keine signifikante Rolle spielt. Es mag zwar sein, dass Weintrinker länger leben als Schnapstrinker, jedoch fließen in solche Statistiken viele psychosoziale Faktoren und Variablen in Bezug auf Ernährung, Gesundheitsvorsorge und Lebensstil mit ein. Ähnliches finden wir in der Kontroverse zwischen Kaffee- und Teekonsum („Kaffee ist das Getränk der Journalisten, Tee das der Philosophen“). Zwar finden sich in roten Trauben Inhaltsstoffe mit anerkannter antioxidativer, also zellschützender Wirkung. Jedoch ist die isolierte Alkoholwirkung im Sinne verbesserter Fließeigenschaften des Blutes und reduzierter Neigung zur Arteriosklerose für die Risikominderung von Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich. Einen positiven Gesundheitseffekt von geringen Alkoholmengen - sollte es ihn denn wirklich geben - wird jedoch durch die Giftwirkung (Stoffwechsel, Krebsentstehung) mehr als aufgezehrt. Wer alkoholische Getränke kontrolliert und anlassbezogen zu sich nimmt, soll nicht zum Abstinenzler verpflichtet werden. Aber eine regelmäßig geübte Karenz sollte praktiziert werden, seien es Tage, Wochen oder Monate. Dies trifft auch in anderen Bereichen des zufriedenen Verzichts zu.

Rauchen: Die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Tabakrauchens als Erkrankungs- und Todesrisiko für chronische Lungenkrankheiten einschließlich Lungenkrebs, andere Krebse wie die des Mund-Rachenraumes und Kehlkopfs, des Magens, der Bauchspeicheldrüse, der Harnblase und anderer Organe, die begünstigenden Effekte auf Bluthochdruck, chronische Gefäßerkrankungen einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall (wissenschaftlich: Gehirninfarkt), Magen-, Darm-, Augen-, Ohren-, Zahn-, Haut- und Knochenkrankheiten ist bekannt oder abrufbar. Daher fordern wir, Aspiranten an einem Lebensführerschein dem Rauchen zu entsagen und dies nach außen freimütig zu vertreten. Denn Tabakrauchen ist das größte bekannte (und anerkannte) Gesundheitsübel, das Menschen sich tagtäglich selbst zufügen. Und zwar meist im Wissen, was sie tun. Es steht auf der Zigarettenschachtel. Frauen holen erstaunlich konsequent auf. Junge Mädchen haben mit ihren männlichen Altersgenossen bereits gleichgezogen! Die Zigarette das einzige Produkt, das, wenn es wie gewünscht benutzt wird, seinen Konsumenten tötet. Lebenslange Raucher haben eine 50 Prozent-Chance, am Rauchen zu sterben, und dies durch Tabak, ein legales Konsumprodukt. Aufsehen erregte in Frankreich ein anlässlich hoher TV-Einschaltquoten direkt vor einem Fußballweltmeisterschaftsspiel 2002 eingespielter Infospot, dass in einem täglich konsumierten Produkt Spuren von Blausäure, Quecksilber, Aceton und Ammoniak entdeckt worden seien. Die eingeblendete Telefonnummer führte zu einer Tonbandstimme, die weitere Informationen zur Gefahr des Zigarettenrauchens gab.

Rauchen wirkt als „Cokiller“. Denn wir kennen keinen Raucher, der nicht noch anderen riskanten Lebensstilen nachgeht oder Gesundheitsrisiken akzeptiert: Bewegungsarmut, Übergewicht, Bluthochdruck, Stress, falsche Ernährung - um nur die wichtigsten in der Risikospirale zu nennen. Bildung an sich, Schulbildung und entsprechender Sozialstatus sowie Erfahrungen in der Familie führen dazu, eher nicht mit dem Rauchen zu beginnen oder das Rauchen aufzugeben. Am besorgniserregendsten ist die Situation unter den 12-17jährigen: 26% rauchen im Westen, 33% in den neuen Bundesländern. Nach Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung probieren mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen durchschnittlich mit knapp 14 Jahren das Rauchen. Wer mit 15 mit dem Rauchen beginnt, hat später ein dreimal höheres Krebstodesrisiko als derjenige, der erst 10 Jahre später beginnt. Helfen wir den Jugendlichen beim schnellen Ausstieg oder besser noch: verhindern wir den Einstieg. Denn eins steht unumstößlich fest: Zigarettenprävention ist auch Alkoholprävention. Und beide Hilfestellungen beugen Drogenkonsum vor.

In "Die Stadt in der Wüste / Citadelle" sagte Antoine de Saint-Exupéry:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Es geht also darum, Sehnsucht zu erzeugen. Aus Nikotinsucht muss Sehnsucht werden, es nicht mehr zu wollen. Carr sagt, es gehe vor allem darum, die absolute Nutzlosigkeit des Rauchens der gewonnenen Freiheit nach dem Aufhören gegenüber zu stellen. Es geht um die Vermittlung des Gefühls der Befreiung von Alpträumen und Sklaverei. Es geht um die wieder erlangte Freiheit, nicht mehr um Mitternacht in Pantoffeln zum nächsten Automaten oder zur Tankstelle um die Ecke zu müssen. Es gehe darum, Weiterrauchende mit Mitleid anstatt mit Neid zu betrachten. Daher wünschen wir nikotinfreie Inhaber des Lebensführerscheins.

 

Gesundheitsrisiken


Übergewicht und Bewegungsmangel: Beides sind für sich alleine betrachtet in den meisten Fällen selbst beeinflusste und häufig auch verschuldete Körperstörungen. Die erste ist häufig Ausdruck einer Essstörung. Die zweite betrifft womöglich den eigenen Lebensstil oder ist ganz einfach Ausdruck von Faulheit. Heutzutage verstehen viele Menschen Essen als vorwiegende Kalorien- also Energieaufnahme. Dabei wird weit mehr aufgenommen, als benötigt wird. Der Mensch des 21. Jahrhundert nimmt mehr Energieträger auf als sein Vorfahre, der noch als Sammler und Jäger für seinen Lebenserhalt täglich körperlich arbeitete und in Bewegung war.

Bluthochdruck: Ein permanent über die Norm erhöhter Blutdruck ist kein Kavaliersdelikt der Natur. Vielen tut ein leicht erhöhter Druck gut. Und wenn man ihn medikamentös in den normalen Bereich drückt, fühlen sie sich schlechter. Der Antrieb lässt nach, Müdigkeit mag den Lebensablauf beeinträchtigen. Trotzdem gehört ein erhöhter Blutdruck nachhaltig normalisiert. Bluthochdruck ist ein langsamer und leiser Killer. Denn die Auswirkungen sind am Ende der Herzinfarkt und der Gehirnschlag. Ein Drittel aller Hochdruckkranker kann durch tägliches Körpertraining und Gewichtsreduktion seine Situation gesundheitsfördernd verbessern.

Zuckerkrankheit: Eine Volkskrankheit, die uns jährlich Milliarden an Therapie und Folgekosten anderer Krankheiten kostet. Abgesehen von den selteneren Formen eines genetisch fixierten Diabetes sind ganz viele Fälle Ausdruck eines falschen Lebensstils: Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel

 

Prävention und Vorsorge (Früherkennung)


Prävention heißt vorbeugen, der Krankheit zuvorkommen (praevenire, lat.). In unserem Teil der Erde werden wir heute 30 Jahre älter als noch vor gut 100 Jahren. Wir wissen heute so viel über die Entstehung der meisten Gesundheitsschäden. Infektionskrankheiten, Herzkrankheiten, Erkrankungen der Blutgefäße und des Kreislaufs, Stoffwechselleiden bis hin zu Krebs sind uns geläufige Gesundheitsrisiken. Wir wissen weiterhin, dass eine gesunde Lebensweise, eine hochwertige aber maßvolle Ernährung, ein dosiertes Leben in allen Bereichen sowie das Beenden (nicht der Verzicht auf....!) selbst beigebrachter kontinuierlicher Schädigungen diese Risiken wahrscheinlich reduzieren helfen. Wir wissen also mehr denn je über Möglichkeiten der allgemeinen Vorbeugung. Unser Gesundheitssystem bietet viele Möglichkeiten zum Nutzen aller. Moderne Informationsmöglichkeiten stehen der breiten Bevölkerung zur Verfügung. Dennoch ist Prävention in unserem Gesundheitssystem heute noch als Stiefkind anzusehen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Februar 2001 wurden bei den Gesundheitsausgaben im Jahre 1998 von 412,7 Mrd. DM lediglich 4,2 % für Prävention, sprich für Krankheitsverhütung und Gesundheitsvorsorge ausgegeben. Gefordert werden 2,50 €uro pro Versicherten pro Jahr, ein geradezu lächerlicher Betrag. Die prinzipielle Frage, mit der uns unser Gesundheitswesen heute konfrontiert, betrifft die Geldbörse, aus der Krankheitsvorbeugung zu zahlen sein soll: Solidaraufgabe versus Eigenverantwortung. Wem dient Vorbeugung? Spart Prävention Kosten im Krankheitsfalle? Macht uns Vorbeugung gesünder im Sinne von längerem Leben? Diese und andere Fragen von ganz unterschiedlicher Zielrichtung sind heute noch nicht vollständig geklärt. Fest dürfte jedoch stehen, dass erfolgreiche Krankheitsvorbeugung in der Bilanz zu einem glücklicheren Leben beim Einzelnen und bei der Gemeinschaft verhilft.

Krebsvorbeugung: Auf Krebs bezogen heißt Tumorprävention zum einen, dem Krebs zuvorkommen, ihn entweder aus noch nicht krankmachenden Vorstufen herausdrängen, oder Krebsfrühformen unterdrücken bzw. eliminieren. Das wäre die sogenannte primäre Prävention, die eng verknüpft ist mit der Krebsvorsorgeuntersuchung. Sie ist eine gute Voraussetzung für eine gesunde Zukunft. Primäre Prävention kann nur als langfristiges, d.h. frühzeitig angelegtes Verhaltenskonzept erfolgreich sein.
Tumorprävention kann aber auch heißen, im Fall eines bereits aufgetretenen Krebs dessen weiteres Wachstum zu zügeln oder seine weitere Ausbreitung zu verhindern. Diese sogenannte sekundäre Prävention kann Heilung oder jahrelanges, symptomarmes Leben auf hohem Niveau von Lebensfreude bedeuten. Unter dem Begriff tertiäre Prävention verstehen wir das Bemühen, bereits als geheilt geglaubte und wiedergekehrte Tumoren in ihrem weiteren Verlauf zu hemmen. Betrachtet man das Krebsproblem ganz allgemein, also losgelöst von dem, was der Einzelne zu tun oder zu lassen hat, so zeichnet sich folgendes Bild: Im Vorwort zu seinem vor gut zwanzig Jahren erschienenen Buch "Krebswelt - Krankheit als Industrieprodukt" hat Egmont Koch ein Szenario benutzt, welches auch heute noch, da wir zwischenzeitlich keine weitere Krebsart besiegt haben, Gültigkeit hat :

„Die deutsche Durchschnittsfamilie hat vier Mitglieder: Eltern, zwei Kinder. Einer von ihnen wird in seinem Leben an Krebs erkranken und wahrscheinlich daran sterben. Das sagt die Statistik. Es darf abgezählt werden.
Wem das zynisch erscheint, der sollte sich überlegen, dass jeder der vierte sein kann. Wer hat nicht schon im Verwandten- oder engsten Freundeskreis miterlebt, was Krebsleiden bedeutet, was es heißt, zu wissen, dass die Überlebenschancen minimal sind. Auch die Betroffenen haben zeitlebens geglaubt, der Kelch würde an ihnen vorüber gehen.“

Geht es um Früherkennung, Krebsvorsorgeuntersuchung oder allgemein um die Vermeidung nachweislich krebserzeugender, freiwillig eingenommener Gifte oder als krebsfördernd akzeptierter Lebensweisen, so hören Ärzte oft Äußerungen bar jeglicher Vernunft: trotz regelmäßiger Krebsvorsorgeuntersuchung könne man daran erkranken; erst nach der Diagnose müsse man während der Therapie viel schlimmes mitmachen; andere gingen mit Zigaretten und Alkohol ein Leben lang unvernünftig um und erfreuten sich eines langen Lebens bei guter Gesundheit. Solche und andere sogar ernst gemeinte Vorhaltungen spiegeln letztlich folgende gut untersuchte Verhaltens- und Meinungsmuster wider: Zum einen die schier unaussprechliche Angst vor der Diagnose Krebs und dem, was danach kommt; zum anderen der oft schlechte Stand der Gesundheitsaufklärung, sowie schließlich die unterschwellige Sehnsucht, der Kelch möge an einem selbst vorbei gehen. Es geht hier um die Frage, wie der einzelne bestimmte Gesundheitsrisiken wahrnimmt und gegen besseres Wissen unvernünftige Entscheidungen trifft. Denn nicht nur die unbewiesene Annahme, sondern auch das Wissen um bestimmte Sachverhalte führt nicht immer mit Konsequenz zu entsprechendem Handeln. Der Begriff Krebsvorsorge erscheint heute vielen Bürgern missverständlich. Zunächst muss klargestellt werden, dass Krebsprävention durch entsprechende Lebensweise die Sterberate an bösartigen Erkrankungen durch Erkrankungsverhinderung reduzieren kann. Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann dies auch, jedoch ohne im Einzelfall den bösartigen Tumor zu verhindern. Vielmehr geht es um eine vorsorgende Untersuchung. Nach vorsichtigen Schätzungen könnte heute durch konsequente Maßnahmen und Verhaltensweisen ein Drittel aller Krebserkrankungen vermieden bzw. Krebstodesfälle verhindert werden. Männer sind zu Maßnahmen der Krebsfrüherkennung weniger bereit als Frauen! Männer erkranken und sterben auch häufiger an Krebs als Frauen!

Praktische Anwendung der Krebsvorsorgeuntersuchung: Die Krebsvorsorge ist ein mengenmäßig bedeutender Bestandteil der routinemäßigen Diagnostik der weiblichen und männlichen Genitalorgane. Dennoch sind nach mehr als dreißig Jahren seit Einführung verwertbare Rückschlüsse in Richtung einer optimalen Früherkennung bisher nicht erlaubt. Diese haben die Urologen durch eine verfeinerte Labordiagnostik im Blut (PSA-Wert als Frühwarntest für den Prostatakrebs) und die Frauenärzte und Röntgenärzte durch die Anwendung der Mammographie zur Frühdiagnose des Brustkrebs außerhalb des gesetzlichen Krebsvorsorgeprogramms gewonnen. Die Krebsvorsorgeuntersuchung der gesetzlichen Krankenversicherung schließt neben der klinischen Ganzkörperuntersuchung eine sogenannte Krebssuche (Screening) für die Organe Enddarm, Haut, regionale Lymphknoten und über die Stuhlanalyse auf unsichtbares Blut (HaemoccultR-Test), das Screening des Magen-Darm-Trakts mit ein. Seit 2002 übernehmen die Krankenkassen ab dem 56. Lebensjahr ebenfalls zwei Darmspiegelungen als Krebsvorsorgemaßnahme. Bei Frauen und Männern können bösartige Tumoren der äußeren und inneren Genitalorgane frühzeitig entdeckt werden. Bei Männern steht der Prostatakrebs, bei Frauen der Brustkrebs an erster Stelle der Häufigkeit und Sterblichkeitsskala. Über die zusätzliche Blutdruckmessung erfolgt die Aufdeckung des Bluthochdruck, des folgenschwersten Herz-Kreislaufrisikos überhaupt.
Vorsorgeuntersuchung meint Früherkennung. Krebserkrankungen sollen - wenn schon nicht vermeidbar - in einem solch frühen (also Anfangs-) Stadium erkannt werden, dass ihre effiziente Behandlung im Sinne möglicher Heilung erfolgen kann. Solche Untersuchungen können nur Erfolg versprechen und ökonomisch vertretbar sein, wenn sie altersbezogen sind, und sich auf definierte Krebsarten in bestimmten Körperregionen oder Organen beschränken. Diese Voraussetzungen sind für den Brustkrebs der Frau und den Prostatakrebs beim Mann gegeben. Das Dilemma, in dem wir uns jedoch befinden, betrifft weniger die noch mangelhafte Effizienz (Treffsicherheit oder Fallfindungsrate) der Krebsfrüherkennungsmaßnahmen, sondern die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung. Gerade einmal knapp die Hälfte aller Frauen nehmen die Krebsvorsorge wahr. Nicht einmal jeder fünfte Mann ab dem 45. Lebensjahr geht hin! Solange Ignoranz und Unachtsamkeit - gepaart mit Angst - die Menschen von präventiven Maßnahmen im Gesundheitssystem fernhalten, müssen wir nicht jammern, das System stelle zu wenig Mittel bereit.

 

Krankheitsabwehr


Krankheit macht zwar verwundbar, damit aber auch achtsam. Achtsam im eigenen Bereich, aber auch im Umfeld. Schwerstkranke oder Unheilbare entwickeln von selbst oder durch Hilfe anderer gelegentlich Kräfte, die sie dazu in die Lage versetzen, ihre Situation weniger als tragische Katastrophe denn als Zugewinn zu sehen. Vielen, die schließlich genesen, geht es nach Überwinden der Krankheit besser als vorher, als sie noch nicht krank waren. Sie haben durch ihren Heilungsprozess eine neue Balance zwischen Inwelt und Umwelt gefunden. Als quasi „Nebenwirkung“ sind sie gesund geworden. Ein guter Freund sagte einmal nach Überwindung einer bedrohlichen, mehrere Jahre unter Behandlung gestandener Infektion, er sei in dieser Zeit auch von Wunden geheilt worden, die er vorher gar nicht wahrgenommen habe. Diese nicht selten parallel ablaufende körperliche und spirituelle Heilung ist allerdings kein Naturprodukt. Sie kommt nicht von selbst. Geht es bei Krankheiten ums sprichwörtliche „Eingemachte“, so müssen wir als erstes selbst erkennen oder von anderen zu der Erkenntnis geführt werden, dass Krankheit keine Niederlage ist. Schmerzen, seien sie hervorgerufen durch die Krankheit selbst oder durch die Therapien des Arztes, sind keine Bestrafung. Vielmehr kann Krankheit eine neue Chance bedeuten. Eine Chance zu einer neuen, umfassenden Achtsamkeit.
Eine Chance, das Verweilen im Moment zu üben oder gar neu zu erlernen.

Es gibt aber auch sogenannte „Nichtkrankheiten“. Hierunter möchten wir menschliche und damit natürliche, meist physiologische Vorgänge verstanden wissen, die oft als medizinisch relevante Befindlichkeitsstörungen definiert werden, bei denen es vielen „Betroffenen“ besser ginge, wenn keiner diese Veränderungen je mit Medizin oder Krankheit in Verbindung gebracht hätte. Hiermit nichts zu tun haben anatomische und funktionelle Fehler, die sich durch korrigierende medizinische Eingriffe beheben lassen. Für die wichtigsten Nichtkrankheiten (auch als Lästigkeiten aufzufassen) halten wir das Altern, die Tränensäcke, die Glatze, Sommersprossen, vorübergehende Potenzprobleme, abstehende Ohren, graue Haare, den Jetlag, die Cellulitis, Besenreiser und das Unglücklichsein. Zur Veränderung einiger Nichtkrankheiten, die oft nicht einmal den Stellenwert von Schicksalsschlägen haben, hat sich eine überflüssige und damit auf Dauer vergängliche kosmetische, dekorative „Can-do-Medizin“ etabliert.

 

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