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Anpassungsstörungen im frühen Ruhestand


Auch zum Ende des Berufslebens und zu Beginn des Ruhestands können Anpassungsprobleme auftreten. Sie können je nach Reaktion und Kompensation spontan vorübergehen. Sie können aber auch zu Gesundheitsstörungen wechselnden Ausmaßes bis hin zu schwerwiegenden Krankheiten und plötzlichem Tod führen. „Der hat aber nicht viel von seiner Rente gehabt“, heißt es dann in Bekanntenkreisen, wenn einen nur wenige Wochen oder Monate nach seiner Verabschiedung aus dem Betrieb oder Büro der plötzliche Herztod ereilte. Dabei handelt es sich beim Wechsel aus dem aktiven Erwerbsleben in die Phase des Nicht-mehr-arbeiten Müssens um den größten Einschnitt in das Sozialgefüge eines Mannes. Frauen werden hiermit leichter fertig. Das Problem betrifft besonders diejenigen, die über Jahrzehnte einer einzigen hauptberuflichen Tätigkeit nachgegangen sind oder gar einem einzigen Arbeitgeber ein Berufsleben lang treu gedient haben. Männer, die sich in der Familie, im Freundeskreis, durch Hobbys und andere Beschäftigungen auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten konnten, werden es leicht haben. Ihr Terminkalender wird nur langsam lichter und das Setzen anderer Prioritäten bringt Erfüllung.
Männer, die jedoch unvorbereitet (wegrationalisierter Arbeitsplatz, Vorruhestand) oder zeitgerecht aber aus dem vollen Berufsleben schöpfend von heute auf morgen nicht mehr um 7 Uhr am Frühstückstisch und um 8 Uhr am Büroschreibtisch sitzen müssen, können in das buchstäbliche tiefe Loch fallen. Der fehlende Tagesrhythmus, Langeweile, Rollenkonflikte mit der Ehefrau, fehlende Erfolgserlebnisse und Selbstbelohnungen können zu Depressionen und Symptomen führen, die denen des akuten Stress gleichkommen.

Der frühe Pensionärstod ist in den meisten Fällen Ursache einer koronaren Herzerkrankung (KHK). Bemerkenswert ist, dass Herzinfarkte besonders häufig in den zeitlichen Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand fallen. In dieser Lebensperiode ist das männliche Herztod-Risiko gegenüber dem weiblichen mit 3:1 am ungünstigsten. Später gleicht sich dieses Risiko in beiden Geschlechtern weitgehend an. Der Verlauf einer KHK hängt in hohem Maße vom Verhältnis von Eustress zu Dystress ab. Es wird diskutiert, dass durch eine inadäquate Kompensation der neuen Lebenssituation Dystress die Oberhand gewinnt. Es ist auch denkbar, dass eine für die Herzfunktion ungünstige Veränderung des Lebensstils begünstigend auf den frühen Pensionärstod einwirkt.
Ornish hat viele Faktoren sozialer Interaktion in Zusammenhang mit Schwerstherzkranken untersucht. Die soziale Bindung und die Unterstützung durch die Gruppe spielen demnach eine wesentliche Rolle für die Kompensation, die Rehabilitation oder gar die Gesundung. Wahrscheinlich kommt der Gruppe innerhalb des Berufslebens (Betrieb, Kollegen, Kunden, Klienten) auch eine gesunderhaltende Bedeutung zu. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Männer mit der Beendigung ihres Erwerbslebens aus der Phase eines erholsamen Eustress in den tödlichen Dystress des Ruhestandes wechseln.

 

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