Zurück zur Auswahl


Burnout - Syndrom


Stress kann unerkannt unterschwellig über lange Zeit weiter schwelen und den Betroffenen langsam erschöpfen, ausschöpfen, entleeren. Er fühlt sich dann ausgebrannt. Handelt es sich um Arbeiter in helfenden Berufen, so sprechen wir von Burnout. Anfang der 1970er Jahre tauchte der Begriff vermehrt in der angloamerikanischen sozialwissenschaftlichen Literatur auf. Betrachtet man die verschiedenen teils nur in Nuancen erkennbaren Unterschiede seiner Definition und die meist nur unwesentlich von einander abweichenden Bewertungen in der Zusammenschau, so erscheint folgende vereinfachte Begriffsbestimmung zutreffend:

  1. Burnout steht für einen Erschöpfungszustand bei ArbeiterInnen in personenbezogenen Dienstleistungsberufen. Es führt zum Verlust von Idealismus und Engagement.
  2. Burnout ist kein eigentliches Syndrom (definierte, immer wiederkehrende Kombination einzelner Krankheitssymptome), wenngleich die Bezeichnung Burnout-Syndrom eine weite Verbreitung gefunden hat. Es handelt sich vielmehr um eine zunächst wenig greifbare chronische Entwicklung bei professionellen Helfern. Die Situation wird dann erst durch ein Spektrum von Symptomen als krankmachend fassbar, wenn sich bereits gesundheitliche Schäden abzeichnen.
  3. Häufiger benutzte Synonyme sind Helfersyndrom, Betriebsneurose, Meltdown, leere Batterie. Sie meinen im Grunde das selbe.
  4. Burnout kann als eine spezielle Spielform von unangepasstem Dauerstress in den entsprechenden Berufen aufgefasst werden. In Selyes dreistufigem Stresskonzept (Alarm, Aktivierung, Erschöpfung) kommt die Erschöpfungsphase der Burnout-Situation am nächsten. Unkontrollierter, lange währender Dystress verbunden mit dem Unvermögen, die Tragweite und die Notwendigkeit zum Intervenieren (Dazwischengehen!) selbst zu erkennen, können zu behandlungsbedürftigem Burnout von Krankheitswert führen. Jedoch sollte die Diagnose Burnout nur dann gestellt werden, wenn die drei Kardinalsituationen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und verringerte Leistungszufriedenheit zusammen kommen. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um den Versuch, Burnout kategorisch festzulegen, was offenbar schwierig ist. Mit dem Statement des Sachkenners Richard Bolles wird klar, wie schwer sich Wissenschaftler mit der definitiven Bewertung von Burnout tun: „Burnout ist wie Pornographie – ich bin nicht sicher, ob ich es definieren kann, aber ich weiß, was es ist, wenn ich es sehe“.

 

Wie äußert sich Burnout?


Es betrifft Männer häufiger und stärker als Frauen. Bei Betrachtung der beruflichen Rollenverteilung könnte man meinen, Frauen seien von Burnout eher betroffen als Männern, da sie eher mit Hingabe und Idealismus, Männer eher betriebswirtschaftlich und Karriere- und Erfolgsdenken verhaftet ihren helfenden Beruf wahrnehmen. Jedoch fehlt Männern eher soziale Unterstützung, wenn sie vom Ausbrennen betroffen sind. Demgegenüber haben Frauen eine größere Fähigkeit, über berufliche Fehler und Unzulänglichkeiten zu reden und Hilfe zu akzeptieren. Ausbrennen ist spezifisch für helfende Dienstleistende. Am besten untersucht sind Personen aus medizinischen Berufen, Psychotherapeuten, Lehrer und Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Verlässliche alters- und geschlechtsspezifische Statistiken über andere gefährdete Berufsgruppen wie Masseure, Taxifahrer, Polizisten, Bankkaufleute, Animateure, Gastwirte liegen nicht vor.

In einer ersten Phase kann es bei Berufsanfängern in heilenden und helfenden Berufen zum sogenannten Praxisschock kommen. Das im Studium und in der Ausbildung Erlernte stimmt mit der Situation in der Praxis nicht überein. Hohe Erwartungen, unrealistische Hoffnungen, besonderes Engagement und daraus folgernd andauernde Ermüdung führen zu frühen Enttäuschungen. Hinzu kommen zu viel Verwaltungsarbeit und eine Arbeitsbürokratisierung, Terminüberlastung, Isolation von Kollegen, verkümmerndes Privatleben und fehlende Perspektive, dass sich etwas Grundlegendes ändern wird.
Zentrale Gründe für ein hierauf folgendes langsam um sich greifendes reduziertes Engagement der helfenden Profis sind das Gefühl ungenügender Anerkennung, der Verlust von Idealismus verbunden mit Selbstmitleid. Der Ausgebrannte verliert langsam an eigener Achtsamkeit.
In einer späteren Phase können körperliche Überforderung, mentale Erschöpfung, reduziertes Engagement bis hin zur Arbeitsverweigerung (sogenannte innere Kündigung) hinzu kommen. Das sich Verausgaben bedeutet, dass die betroffenen professionellen Helfer weit mehr geben, als ihnen zurückgegeben wird. Das helfende und bestätigende Soll und Haben stimmt immer weniger. Es entsteht das Gefühl, die Arbeit fresse einen auf. Das Ungleichgewicht zwischen Berufskarriere, Familie und persönlicher Entfaltung und Verwirklichung wurde dann zu lange auf den Beruf und das Fortkommen verlagert.
In der Phase des krankmachenden Ausbrennens stehen Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund. Die Betroffenen fühlen sich durchgebrannt, abgeschmolzen (Meltdown) und existentiell bedroht und verzweifelt. Treffend für die Situation des hoffnungslosen ausgeschöpft Seins ist das Bild des mit seinem Vorderlauf in eine Falle geratenen Wolfes. Nur das Durchnagen seiner Pfote war der einzig mögliche Versuch, sich zu retten. Burisch konstatiert, dass es für den ausgebrannten Menschen eine ähnlich schmerzhafte Amputation bedeute, ein zentrales Lebensziel aufgeben oder umdefinieren zu müssen.

 

Mit Burnout fertig werden


Selbstliebe, besser noch der Auftrag „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, sind die besten vorbeugenden Maßnahmen gegen Burnout: Selbstliebe, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber. Selbstliebe steht also dem professionellen Helfen und beruflichen sozialen Engagement keineswegs im Wege, im Gegenteil. Weitere langfristige Lösungsmöglichkeiten sind das Erreichen einer professionellen Autonomie, unterstützende Arbeitsbedingungen, Anerkennung und Rückkopplung sowie Zuwendung und Vertrauen des Vorgesetzten. Wichtig ist das Finden einer Balance zwischen Arbeit und Nichtarbeit (Familie, Freizeit, Zeitvertreib) wie in nachstehendem Schema veranschaulicht.

Balance zwischen Arbeit und Nichtarbeit

Jeder stressgefährdete, vornehmlich aber die im Dienst am Anderen stehenden professionell Tätigen werden nur durch eine vernünftige Abgrenzung dieser beiden Bereiche im Sinne einer Balance mit sich in Einklang kommen. Hiermit wird die beste Prophylaxe für Dauerstress oder Ausbrennen erreicht.

 

burnout.zip Download "Burnout - Syndrom"
[burnout.zip - 13 kb]

Sie benötigen ein Zip-Programm, um die Datei zu entpacken. Falls Sie kein Zip-Programm auf Ihrem Computer installiert haben, dann können Sie dieses unter www.freewareportal.de herunterladen.

Download des AcrobatReader Um diesen Artikel zu lesen, benötigen Sie den AcrobatReader von Adobe.
Klicken Sie links auf das Icon, um den AcrobatReader herunterzuladen.

 

TOP - zurück zum Seitenanfang