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Burnout - Syndrom
Stress kann unerkannt unterschwellig über lange
Zeit weiter schwelen und den Betroffenen langsam erschöpfen, ausschöpfen,
entleeren. Er fühlt sich dann ausgebrannt. Handelt es sich um Arbeiter
in helfenden Berufen, so sprechen wir von Burnout. Anfang der 1970er
Jahre
tauchte der Begriff vermehrt in der angloamerikanischen sozialwissenschaftlichen
Literatur auf. Betrachtet man die verschiedenen teils nur in Nuancen
erkennbaren
Unterschiede seiner Definition und die meist nur unwesentlich von einander
abweichenden Bewertungen in der Zusammenschau, so erscheint folgende
vereinfachte
Begriffsbestimmung zutreffend:
- Burnout steht für
einen Erschöpfungszustand bei
ArbeiterInnen in personenbezogenen Dienstleistungsberufen.
Es führt
zum Verlust von Idealismus und Engagement.
- Burnout ist kein
eigentliches Syndrom (definierte, immer wiederkehrende Kombination
einzelner Krankheitssymptome),
wenngleich die Bezeichnung
Burnout-Syndrom eine weite Verbreitung gefunden hat. Es handelt sich
vielmehr um eine zunächst wenig greifbare
chronische Entwicklung bei professionellen Helfern. Die Situation
wird dann erst durch ein Spektrum von Symptomen als krankmachend
fassbar,
wenn sich bereits gesundheitliche Schäden abzeichnen.
- Häufiger benutzte
Synonyme sind Helfersyndrom,
Betriebsneurose, Meltdown,
leere Batterie. Sie meinen im Grunde das
selbe.
- Burnout kann als
eine spezielle Spielform von unangepasstem Dauerstress in den entsprechenden
Berufen aufgefasst
werden.
In Selyes dreistufigem
Stresskonzept (Alarm, Aktivierung, Erschöpfung) kommt die Erschöpfungsphase
der Burnout-Situation am nächsten. Unkontrollierter, lange währender Dystress verbunden
mit dem Unvermögen,
die Tragweite und die Notwendigkeit zum Intervenieren (Dazwischengehen!)
selbst zu erkennen, können zu behandlungsbedürftigem Burnout
von Krankheitswert führen. Jedoch sollte die Diagnose Burnout
nur dann gestellt werden, wenn die drei Kardinalsituationen emotionale
Erschöpfung, Depersonalisation
und verringerte Leistungszufriedenheit
zusammen kommen. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um den Versuch,
Burnout kategorisch festzulegen, was offenbar schwierig ist. Mit dem
Statement des Sachkenners Richard Bolles wird klar, wie schwer sich
Wissenschaftler mit der definitiven Bewertung von Burnout tun: „Burnout
ist wie Pornographie – ich bin nicht sicher, ob ich es definieren
kann, aber ich weiß, was es ist, wenn ich es sehe“.
Wie äußert
sich Burnout?
Es betrifft Männer häufiger und stärker als Frauen. Bei
Betrachtung der beruflichen Rollenverteilung könnte man meinen, Frauen
seien von Burnout eher betroffen als Männern, da sie eher mit Hingabe
und Idealismus, Männer eher betriebswirtschaftlich und Karriere-
und Erfolgsdenken verhaftet ihren helfenden Beruf wahrnehmen. Jedoch fehlt
Männern eher soziale Unterstützung, wenn sie vom Ausbrennen
betroffen sind. Demgegenüber haben Frauen eine größere
Fähigkeit, über berufliche Fehler und Unzulänglichkeiten
zu reden und Hilfe zu akzeptieren. Ausbrennen ist spezifisch für
helfende Dienstleistende. Am besten untersucht sind Personen aus medizinischen
Berufen, Psychotherapeuten, Lehrer und Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen.
Verlässliche alters- und geschlechtsspezifische Statistiken über
andere gefährdete Berufsgruppen wie Masseure, Taxifahrer, Polizisten,
Bankkaufleute, Animateure, Gastwirte liegen nicht vor.
In einer ersten Phase kann
es bei Berufsanfängern in heilenden und helfenden Berufen zum
sogenannten Praxisschock kommen. Das im
Studium und in der Ausbildung Erlernte stimmt mit der Situation in
der Praxis nicht überein.
Hohe Erwartungen, unrealistische Hoffnungen, besonderes Engagement und
daraus folgernd andauernde Ermüdung führen zu frühen Enttäuschungen.
Hinzu kommen zu viel Verwaltungsarbeit und eine Arbeitsbürokratisierung,
Terminüberlastung, Isolation von Kollegen, verkümmerndes Privatleben
und fehlende Perspektive, dass sich etwas Grundlegendes ändern wird.
Zentrale Gründe für ein hierauf folgendes langsam um sich greifendes
reduziertes Engagement der helfenden Profis sind das Gefühl
ungenügender Anerkennung, der Verlust von Idealismus verbunden
mit Selbstmitleid. Der Ausgebrannte verliert langsam an eigener Achtsamkeit.
In einer späteren Phase können
körperliche Überforderung, mentale
Erschöpfung, reduziertes Engagement
bis hin zur Arbeitsverweigerung (sogenannte innere Kündigung) hinzu
kommen. Das sich Verausgaben bedeutet, dass die betroffenen professionellen
Helfer weit mehr geben, als ihnen zurückgegeben wird. Das helfende
und bestätigende Soll und Haben stimmt immer weniger. Es entsteht
das Gefühl, die Arbeit fresse einen auf. Das Ungleichgewicht zwischen
Berufskarriere, Familie und persönlicher Entfaltung und Verwirklichung
wurde dann zu lange auf den Beruf und das Fortkommen verlagert.
In der Phase des krankmachenden Ausbrennens stehen Hilflosigkeit
und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund. Die
Betroffenen fühlen sich durchgebrannt, abgeschmolzen (Meltdown)
und existentiell bedroht und verzweifelt. Treffend für die Situation
des hoffnungslosen ausgeschöpft Seins ist das Bild des mit seinem
Vorderlauf in eine Falle geratenen Wolfes. Nur das Durchnagen seiner Pfote
war der einzig mögliche Versuch, sich zu retten. Burisch konstatiert,
dass es für den ausgebrannten Menschen eine ähnlich schmerzhafte
Amputation bedeute, ein zentrales Lebensziel aufgeben oder umdefinieren
zu müssen.
Mit Burnout fertig werden
Selbstliebe, besser noch der Auftrag „liebe Deinen Nächsten
wie Dich selbst“, sind die besten vorbeugenden Maßnahmen
gegen Burnout: Selbstliebe, Achtsamkeit
und Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber.
Selbstliebe steht also dem professionellen Helfen und beruflichen sozialen
Engagement keineswegs im Wege, im Gegenteil. Weitere langfristige Lösungsmöglichkeiten
sind das Erreichen einer professionellen Autonomie, unterstützende
Arbeitsbedingungen, Anerkennung und Rückkopplung sowie Zuwendung
und Vertrauen des Vorgesetzten. Wichtig ist das Finden einer Balance
zwischen
Arbeit und Nichtarbeit (Familie, Freizeit, Zeitvertreib) wie in nachstehendem
Schema veranschaulicht.

Jeder stressgefährdete, vornehmlich aber die im
Dienst am Anderen stehenden professionell Tätigen werden nur durch
eine vernünftige Abgrenzung dieser beiden Bereiche im Sinne einer
Balance mit sich in Einklang kommen. Hiermit wird die beste Prophylaxe
für Dauerstress oder Ausbrennen erreicht.
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- Syndrom"
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