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Männer bekommen keine Erektion, wenn sie etwa befürchten, in diesem Augenblick keine Erektion zu bekommen. Frauen emittieren keine Lubrikation - werden nicht feucht, wenn die Angst die Lust blockiert. Die Folgen sind fatal. Eine Erwartungsangst breitet sich aus. Diese Angst, dass sich das traumatisch erlebte sexuelle Versagen wiederholen könnte, führt eben gerade wieder zur Wiederholung des Versagens. Self-Fullfilling-Prophety oder schwarze Magie sagt der Volkmund. Self Monitoring oder Beobachterposition nennen das die Psychotherapeuten. Wenn man im Kopf den Misserfolg vorwegnimmt und alles
daran setzt, nicht erneut zu versagen und sich dadurch vor dem Partner
(und vor sich selbst) zu blamieren. Tradierte Männerbilder,
neurotische Fehlhaltungen - geboren aus der Angst vor Authentizität
- führen letztlich zur psychisch bedingten, sozusagen erlernten
Impotenz. Diese Fehlhaltung jedoch erzeugt den Teufelskreis, der gerade
das genitale
Versagen perpetuiert. Wäre das intime, erotische Zwiegespräch über sexuelle Empfindungen, Ängste und Bedürfnisse nicht von klein auf tabuisiert, dann könnte sich ein liebendes Paar über alle Details in Ruhe in wechselseitiger Einfühlung in Achtsamkeit unterhalten. Dies alleine ermöglichte die nötige Nähe und das Vertrauen und setzte die erotischen Ressourcen eines Paares spontan und in kreativer, ja, wunderbarer Weise frei. Aber diese Art miteinander zu reden haben wir nie gelernt. Jedoch, es gibt Lösungen. Denn der Spruch „...was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ gilt hier nicht. Richtig ist: Was Hänschen nie gelernt hat, kann Hans auch noch im Alter lernen, wenn er nur Einsicht in die Gefühlshintergründe seines inneren Erlebens entwickelt und wirklich lernen will, sich der Realität zu stellen, Vertrauen zu entwickeln und Angst zu überwinden. Das erotische Zwiegespräch ist das Mittel der Wahl
und für jedermann / frau bis ins hohe Alter erlernbar.
Auf Sensualität haben wir - kulturell
bedingt - nie Wert gelegt. Die sexuellen Mythen beseelen den westlichen
Durchschnittsmann in unserer Leistungsgesellschaft. Er, der allzeit bereit
ist und immer obsiegt. „Erectio permanens“ ist das Ziel. Schlapp
machen ist mit dem Selbstbild und der Fassade, die Männer mit viel
Mühe zeitlebens aufgebaut haben, nicht vereinbar. Man hat seinen
Mann zu stehen, in jeder Hinsicht. Impotenz heißt nicht können.
Ein Versager, ein Schlappschwanz also, sozusagen im-potent, will keiner
sein. Das ist die schreckliche Realität der gesellschaftlich erzeugten
Fehlhaltungen, die im Versagensfalle einen Teufelskreis zu Rotation bringt,
der tiefe Versagensängste aktiviert und zu Vermeidungsverhalten
anstatt zum vertrauten opening-up führt. Mauern anstatt
Öffnen ist die Devise, weil wir uns für unser angebliches
Versagen schämen. Dabei sollten wir uns eher schämen für
die Maske, die wir ein Leben lang poliert haben, anstatt wahrhaftig und
treu zu uns und zu unseren Ängsten zu stehen. Der psychotherapeutisch
versierte Coach (und nicht Viagra alleine, das nur die tiefen Hintergründe
der Versagensangst zudeckt und somit nur die neurotische Fehlhaltung stabilisieren
könnte), hilft kompetent aus der Erektionskrise.
Es gilt, im Verlauf der Erektionskrise, die von Betroffenen gern verniedlichend „Formtief“ genannt wird, diejenigen Phasen zu erkennen, während
denen eine medikamentöse Mitbehandlung hilfreich und damit indiziert
ist.
Auch in dieser Hinsicht verhilft das erlernbare erotische Zwiegespräch zur Vermehrung wechselseitiger Einfühlung und somit zu mehr sinnlicher Nähe, welche die Angst überwinden hilft und erotische Gefühle auch nach schwerer Krankheit und im Alter wieder keimen und erblühen lässt.
Die klassische Sexualtherapie beginnt mit der getrennten Erhebung der Lebensgeschichte und Exploration der sexuellen Dysfunktion zunächst des Symptomträgers. Erst im nachfolgenden Gespräch werden Partner/Partnerin einbezogen und es erfolgt das gemeinsame Gespräch. Hier beschreibt der Psychotherapeut zusammenfassend seine Sicht der Dinge, die mutmaßliche Entstehungsgeschichte und die im Moment wirksamen Zusammenhänge, die zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der bestehenden Symptomatik geführt haben. Nach dieser Verhaltensanalyse wird gemeinsam mit dem Paar ein Therapieplan entworfen und detailliert erläutert. Zunächst unterscheiden die Experten zwischen den Phasen der Sensorischen Fokussierung der 1. Stufe. Es handelt sich hierbei um ein Genusstraining, in welcher das Berühren der Geschlechtsgegend und der äußeren Geschlechtsteile ebenso wie der Geschlechtsverkehr quasi per Therapievertrag ausgeschlossen wird. Nur hierdurch können beide wirklich stressfrei Zärtlichkeit und Nähe in einem gefahrlosen, geschützten Setting erfahren. Die in dieser Phase gewonnene Lernerfahrung an angstfrei und intensiv erlebter Sensualität ermöglicht dem Paar später ein intensives und zweckfreies Vorspiel, welches schon alleine beglückend wirkt, ohne dass es anschließend zum Geschlechtsverkehr kommt. Gelingt diese Phase problemlos mehrere Tage hintereinander, so kann in beiderlei Einverständnis zum nächsten Behandlungsschritt, der sensorischen Fokussierung der Stufe 2 übergeleitet werden. Nun lernt das Paar nach zunächst vorbesprochenem Plan auch die Genitalien in das Genusstraining mit einzubeziehen. Auch in dieser Phase soll es noch nicht zum Geschlechtsverkehr im Sinne des Beischlafs kommen. Gelingt diese zweite Phase ebenfalls, so wird das Paar von sich aus entscheiden, den Geschlechtsverkehr zu versuchen. Denn in der Zwischenzeit haben beide gelernt, offen über alle Aspekte dieses Themas zu reden und Vertrauen in das achtsame Vorgehen des Partners zu entwickeln. Da das Paar in diesen sich über mehrere Wochen hinziehenden Phasen die therapeutischen Übungen wie besprochen zuhause umsetzt und entsprechend der zuvor besprochenen Kommunikationsregeln aufarbeitet (Hausaufgaben), können in folgenden Therapiesitzungen der Erfolg (oder auch die bei der Durchführung der Hausaufgaben erlebten Schwierigkeiten) im Detail besprochen werden. Fortführende Übungen werden entworfen und ausführlich erörtert, damit sie unter Einbeziehung der aus den Vorübungen gewonnenen neuen Erkenntnissen bis zur nächsten Therapiestunde zu Hause angewendet werden können. Durch dieses Vorgehen wird zwangsläufig das Schamgefühl der beteiligten Partner sanft attackiert (shame-attac) bis es völlig verschwindet. So lernt das Paar, zukünftig über alle Details seiner sexuellen Wünsche und Phantasien schamfrei zu reden.
Dieses im Verlauf der Behandlung
erlernte und stetig weiterentwickelte erotische Zwiegespräch erzielt durch die andauernde
verbale Intervention zunehmend erotisierende Wirkung und ist somit das
therapeutische Mittel der Wahl. Sie sind von den meisten Betroffenen bis
ins höhere Alter erlernbar. Vorzeitige pharmakologische Hilfen wie
etwa Tabletten zum Schwellkörpertraining aus der Gruppe um Viagra
lenken den Fokus erneut auf psychopathogene Leistungsaspekte. Durch die
frühzeitige Einnahme solcher Medikamente wird zu sehr das Augenmerk
auf das Funktionieren der Erektion gelenkt. Das Problem wird so womöglich
in den Bereich des Mechanischen, ja, des bloßen Hydraulischen gestellt.
Damit können solche Pharmaka den notwendigen und wertvollen, Lebensqualität generierenden
Lernprozess in Richtung Sensualität erschweren oder
sogar verhindern. Beim Prostatakrebs des Mannes liegen die Verhältnisse anders. Im Falle der auch seelisch traumatisierenden Radikaloperation droht die organische Impotenz, der Verlust der Erektion ohne Wenn und Aber. Wo aber zunächst die Hoffnung auf Sexualität nach dem Eingriff zu sterben droht, erfährt der Betroffene durch die Art des Einfühlens und Redens über Ängste, Hoffnungen und Wünsche partnerschaftlicher Sexualität seelische Befreiung von subtilen Erwartungsängsten. Diese ist gepaart mit der Lust am experimentellen, zärtlichen Berühren, Massieren und Stimulieren bis zur umfassender Bedürfnisbefriedigung beider Partner auf der Basis des krankheitsbedingt noch konkret Realisierbaren. In vielen Fällen operationsbedingter oder anderer organischer Erektionsstörung ist der komplementäre, also unterstützende Einsatz erektionsinitiierender Medikamente empfehlenswert. Bei hormonellen Behandlungen im Verlauf von Prostatakrebs liegt die Situation wiederum ganz anders, da hier therapiebedingt eine klimakterische Situation des Mannes meist mit dem Verlust der Libido das Sexualleben zusätzlich erschwert.
Eine sehr störende, meist beide Partner tangierende
Störung des normalen Geschlechtsverkehrs ist der vorzeitige
Samenerguss (Ejaculatio praecox). Meistens kommen die betroffenen
Männer zunächst zum sexualmedizinisch tätigen Urologen
mit der bereits vorformulierten Diagnose einer Impotenz. Mit Impotenz
meinen sie aber nicht die Unfähigkeit, selbst zur Erektion, zur Ejakulation
und zum Orgasmus zu kommen. Gemeint ist ihre Im-potenz (Unpotenz, Unfähigkeit),
die Partnerin zu befriedigen, da ihr eigener Sexualakt rein körperlich
gesehen in ganz kurzer Zeit (oft weniger als einer Minute) abgeschlossenen
ist und damit mit dem der Partnerin völlig asynchron verläuft.
In den meisten Fällen besteht dieses Problem schon von Anbeginn der
geschlechtsaktiven Lebensperiode. Zunächst wird es oft über
Jahre verheimlicht und von den Männern verkannt. Sie wollen ihr Problem
zunächst nicht wahr haben, und erst nach Erfahrungsaustausch mit
Altersgenossen wird es akzeptiert. Der frühzeitige Samenerguss führt
den Betroffenen daher oft erst zum Arzt, wenn eine sexuell erfahrene Partnerin
den Unterschied im Ablauf des Geschlechtsverkehrs und seinem Vollzug bemerkt
und schließlich zur Sprache bringt.
Paarbeziehungen können durch Funktionsstörungen im Sexualleben Schaden erleiden oder sogar gefährdet sein. Betroffene erfahren durch die oben in wenigen Zügen charakterisierte Vorgehensweise der erotischen Zwiegespräche mit sensorischer Fokussierung und fallweise individuellem Einsatz als rein komplementär zu verstehender Pharmakotherapie in jedem Falle eine neue Dimension der Sensualität. Sie erlernen das angstfreie Erleben wohltuender, befriedigender und auch erotischer Körperempfindungen in Vielfalt. Das Resultat ist eine vorher nicht erlebte Kreativität im Sexuellen und in anderen Bereichen des Zusammenlebens verbunden mit einem beglückenden Zuwachs an Lebensqualität bis ins hohe Alter.
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