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Über Gegenwart und Glück


Liegt dir gestern klar und offen, wirkst du heute kräftig frei,
kannst auch auf ein Morgen hoffen, das nicht minder glücklich sei.


(Johann Wolfgang von Goethe)


Der ist ein Narr, der sich an der Vergangenheit die Zähne ausbricht, denn sie ist ein Granitblock und hat sich vollendet. Bejahe den Tag, wie er dir geschenkt wird, statt dich am Unwiederbringlichen zu stoßen. Das Unwiederbringliche besitzt keinen Wert, denn es ist der Stempel, der allem Vergangenen aufgeprägt ist. [...] Denn der Sinn der Dinge liegt nicht im schon angesammelten Vorrat, den die Sesshaften verzehren, sondern in der Glut der Verwandlung, des Voranschreitens oder der Sehnsucht. [...] Einzig die Richtung hat einen Sinn. Es kommt darauf an, dass du auf etwas zugehst, nicht dass du ankommst; denn man kommt nirgendwo an, außer im Tode.

(Antoine de Saint-Exupéry : Die Stadt in der Wüste)


Glück

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
Und wäre alles Liebste dein.

Solang du um Verlornes klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.


(Hermann Hesse)


Seit anfangloser Zeit haben wir ein gültiges Gewahrsein, oder Bewusstsein, von einem "Ich“. Es liegt in der Natur dieses "Ich“ oder Selbst begründet, dass es Glück erreichen und Leiden vermeiden möchte, und dieses Verlangen ist stichhaltig - es ist wahr, vernünftig und angemessen. Folglich haben wir alle das Recht, Glück zu erreichen und Leiden zu vermeiden. Die Tatsache, dass sich Leiden und Glück ihrerseits von Augenblick zu Augenblick verändern, lässt erkennen, dass diese Erfahrungen von Glück und Leiden abhängig von Ursachen und Wirkungen sind. Um uns vom Leiden zu befreien, müssen wir die Ursachen und Bedingungen des Leidens beseitigen, und um Glück zu erreichen, müssen wir die Ursachen und Bedingungen für Glück schaffen.

(Dalai Lama: Der Weg zum Glück)


Das Glück hat seine Grundlage in der Achtsamkeit. Die erste Voraussetzung des Glücklichseins ist unser Bewusstsein, dass wir glücklich sind. Wenn uns nicht bewusst ist, dass wir glücklich sind, dann sind wir es auch nicht wirklich. [...] Es gibt so viele genussreiche Dinge, aber ohne die Übung der Achtsamkeit wissen wir sie kaum zu schätzen. Wenn wir Achtsamkeit üben, beginnen wir, diese Dinge in Ehren zu halten und lernen, wie wir sie bewahren können. Wenn wir uns gut auf den gegenwärtigen Moment einlassen, sorgen wir gleichzeitig auch für die Zukunft.

(Thich Nhat Hanh: Ich pflanze ein Lächeln)


Jede bewusste Handlung und in gewisser Weise sogar unser ganzes Leben, das wir uns unter den gegebenen Beschränkungen einrichten, lässt sich als Antwort auf die große Frage auffassen, die uns alle beschäftigt: “Wie werde ich glücklich?“ Ein altes tibetisches Sprichwort lautet: “Im nächsten Leben oder morgen“, und wir können nie sicher sein, was zuerst kommt. Aber wir hoffen, dass wir weiterleben. Wir hoffen, dass diese oder jene Handlung uns zum Glück führt. Alles, was wir tun, nicht nur als einzelne Person, sondern auch gesellschaftlich gesehen, lässt sich unter dem Aspekt dieses elementaren Strebens betrachten. [...] Ethische Disziplin ist unabdingbar, denn sie ist die Methode, mit der wir zwischen den konkurrierenden Ansprüchen des eigenen Rechts auf Glück und dem Recht anderer auf ihr Glück vermitteln. Natürlich wird es immer Leute geben, die ihr eigenes Glück derart über alles erheben, dass ihnen der Schmerz anderer nichts bedeutet. Das ist jedoch kurzsichtig. Wenn der Leser meiner Definition von Glück zustimmt, dann gilt für ihn auch die Schlussfolgerung, dass niemand wirkliche Vorteile daraus zieht, wenn er anderen Leid zufügt. Welchen unmittelbaren Nutzen jemand auch auf Kosten anderer erringt, er kann nicht von Dauer sein.

(Dalai Lama: Das Buch der Menschlichkeit)


Glückselig und naturgemäß leben ist ein und dasselbe [...].Wir leben naturgemäß, wenn wir die körperlichen Anlagen und Bedürfnisse unserer Natur sorgfältig, aber nicht ängstlich beachten als etwas, das uns nur auf Zeit gegeben und flüchtig ist; wenn wir nicht Ihre Sklaven werden und nicht etwas unserem Wesen Fremdes uns in seine Gewalt gebracht hat [...].

(Seneca: Vom glückseligen Leben)

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