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"Eines Tages sagte ein Mann aus dem Volke zu Zen-Meister Ikkyu: 'Meister, wollt ihr mir bitte einige Grundregeln der höchsten Weisheit aufschreiben?' Ikkyu griff sofort zum Pinsel und schrieb: 'Aufmerksamkeit'. 'Ist das alles?', fragte der Mann, 'wollt Ihr nicht noch etwas hinzufügen?' Ikkyu schrieb daraufhin zweimal hintereinander: 'Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit'. 'Nun', meinte der Mann ziemlich gereizt, 'ich sehe wirklich nicht viel Tiefes oder Geistreiches in dem, was Ihr gerade geschrieben habt.' Daraufhin schrieb Ikkyu das gleiche Wort dreimal hintereinander: 'Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit'. Halb verärgert begehrte der Mann zu wissen: 'Was bedeutet diese Wort Aufmerksamkeit überhaupt?' Ikkyu antwortete sanft: 'Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit.'" "Dies vor allem: sei dir selber treu - und so
folgt wie auf den Tag die Nacht, Du kannst nicht falsch sein, gegen irgendwen“,
betont Shakespeare und weist auf die Wahrhaftigkeit als wesentliche Grundlage
für Vertrauenswürdigkeit hin. Erst wenn ich weiß, wer
ich bin und Wahrhaftigkeit, Treue, Achtsamkeit, Zuverlässigkeit und
Beständigkeit wesentliche Werte und Normen für mich sind, die
ich offen vertrete und an welchen ich mein Handeln um meiner Selbstliebe
willen orientieren will, dann kann ich normenorientiert, geradlinig, bewusst,
konsequent und authentisch handeln. Nur dann kann ich meine hochgesteckten
Lebensziele erreichen. Erst dann bin ich des Vertrauens würdig, welches
meine Partnerin oder mein Partner, meine Kinder, Verwandte, Berufs- und
Geschäftspartner und Freunde in mich setzen. Erst dann ist echte
Bindung möglich. Somit ist diese Bindungsbereitschaft eine notwendige
Voraussetzung für die Liebesfähigkeit an sich. Albert Einstein sagte hierzu: In einer weiteren Unterweisung von Willigis Jäger heißt es: "Ein Rabbi wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gelassen sein könne. Er sagte: 'Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich spreche, dann spreche ich...' Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort: 'Das tun wir doch auch, aber was machst Du noch darüber hinaus?' Er sagte wiederum: 'Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich spreche, dann spreche ich...' Wieder sagten die Leute: 'Das tun wir doch auch!' Er aber sagte zu ihnen: 'Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon; wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.'“ Achtsamkeit ist wohl die schwerste, aber auch wichtigste aszetische Übung. Sie ist eine ständige Unterbrechung der Ich-Befriedigung; denn der achtsame Mensch fließt nicht mehr mit dem Strom der Gewohnheit und lässt seinem Bewusstsein nicht den willkürlichen Lauf, der ein Vordringen in die Tiefen verhindern würde. Mit der Übung der Aufmerksamkeit werden wir in unser tiefes, wahres Selbst - also weg vom Ich - geführt und so nicht mehr von einer egoistischen Sichtweise beherrscht. Auch andere aszetische Übungen und Entbehrungen mögen zeitweise notwendig sein, wie z.B. Entzug von Schlaf, von Komfort, Nahrung und sexueller Befriedigung. Sie sollen den Zugang zu unseren tieferen Schichten erleichtern. Um in Kontakt zum wahren Leben zu kommen, scheint jedoch diese Übung der Achtsamkeit wichtiger als alle anderen. Abschließend zu diesen Gedanken seien hier noch
zwei nach wie vor höchst moderne Aspekte zu dem, was wir unter Liebe
verstehen wollen, angeführt. So sagt Laotse, der Philosoph des Taoismus,
die Pflicht ohne Liebe mache verdrießlich, Verantwortung ohne Liebe
rücksichtslos, Gerechtigkeit ohne Liebe hart, Wahrheit ohne Liebe
kritiksüchtig, Erziehung ohne Liebe widerspruchsvoll, Klugheit ohne
Liebe gerissen, Freundlichkeit ohne Liebe heuchlerisch, Ordnung ohne Liebe
kleinlich, Sachkenntnis ohne Liebe rechthaberisch, Macht ohne Liebe gewalttätig,
Ehre ohne Liebe hochmütig, Besitz ohne Liebe geizig und Glaube ohne
Liebe fanatisch. "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihrem Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf." Fürsorge und Achtsamkeit sind aber auch unabdingliche Voraussetzungen für das Verständnis und die Umsetzung einer ganzheitlichen Gesundheit. Denn Gesundheit ist ein Geschenk, das man sich täglich selber machen muss. Ohne Körperverständnis, Körperwissen, Gesundheitsbewusstsein und ständiges Bewusstmachen der psychosozialen Bedeutung, die Gesundheit für einen selbst und personenübergreifend hat, ist gesundes Leben aber nicht möglich. Deshalb wollen wir Ihnen hier die Definition der Arbeitsgruppe "Mann und Gesundheit" der Männerbildung Bern (2000) näher bringen und für dieses Gesundheitsverständnis werben. Diese Definition hat nichts Männliches an sich, ist vielmehr klassisch geschlechterneutral zu sehen: "Gesund sein im umfassenden Sinne heißt fähig sein, körperliche, emotionale, geistige und soziale Potenziale zur Entfaltung zu bringen. Gesundheit ist die Voraussetzung zur Erfüllung individueller, familiärer und sozialer Rollen im Leben. Gesundheit ermöglicht den Menschen, ihr Leben selber zu gestalten, ihre Lebensaufgaben zu erfüllen und darin Selbstachtung, Befriedigung und letztlich Sinnerfüllung zu finden. Damit trägt Gesundheit auch zum Funktionieren von Freundschaften, Familien und Gemeinschaften bei. Gesundheit in diesem umfassenden Sinne sollte für alle Menschen erreichbar sein."
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