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Fürsorge und Achtsamkeit

Der Weg zu erlebter Gesundheit


Über Achtsamkeit, auf sich Achtgeben und Aufmerksamkeit sich selbst und den anderen gegenüber bringen andere einem im Leben wenig bei.
Willigis Jäger, Benediktiner und einer der bedeutendsten Zen-Meister im deutschsprachigen Raum, zitiert in seinem Buch "Suche nach dem Sinn des Lebens“ folgende Anekdote :

"Eines Tages sagte ein Mann aus dem Volke zu Zen-Meister Ikkyu: 'Meister, wollt ihr mir bitte einige Grundregeln der höchsten Weisheit aufschreiben?' Ikkyu griff sofort zum Pinsel und schrieb: 'Aufmerksamkeit'. 'Ist das alles?', fragte der Mann, 'wollt Ihr nicht noch etwas hinzufügen?' Ikkyu schrieb daraufhin zweimal hintereinander: 'Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit'. 'Nun', meinte der Mann ziemlich gereizt, 'ich sehe wirklich nicht viel Tiefes oder Geistreiches in dem, was Ihr gerade geschrieben habt.' Daraufhin schrieb Ikkyu das gleiche Wort dreimal hintereinander: 'Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit'. Halb verärgert begehrte der Mann zu wissen: 'Was bedeutet diese Wort Aufmerksamkeit überhaupt?' Ikkyu antwortete sanft: 'Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit.'"

"Dies vor allem: sei dir selber treu - und so folgt wie auf den Tag die Nacht, Du kannst nicht falsch sein, gegen irgendwen“, betont Shakespeare und weist auf die Wahrhaftigkeit als wesentliche Grundlage für Vertrauenswürdigkeit hin. Erst wenn ich weiß, wer ich bin und Wahrhaftigkeit, Treue, Achtsamkeit, Zuverlässigkeit und Beständigkeit wesentliche Werte und Normen für mich sind, die ich offen vertrete und an welchen ich mein Handeln um meiner Selbstliebe willen orientieren will, dann kann ich normenorientiert, geradlinig, bewusst, konsequent und authentisch handeln. Nur dann kann ich meine hochgesteckten Lebensziele erreichen. Erst dann bin ich des Vertrauens würdig, welches meine Partnerin oder mein Partner, meine Kinder, Verwandte, Berufs- und Geschäftspartner und Freunde in mich setzen. Erst dann ist echte Bindung möglich. Somit ist diese Bindungsbereitschaft eine notwendige Voraussetzung für die Liebesfähigkeit an sich.
Der amerikanische Mediziner und erfolgreiche Ganzheitstherapeut Dean Ornish zitiert Forschungsergebnisse, die besagen, dass eine vertrauensvolle Beziehung zu einem anderen Menschen die Anzahl der Abwehrzellen in unserem Blut in die Höhe schnellen lässt. Wenn wir unserer Liebesbeziehung, aber auch den anderen Beziehungen zur Familie und zu unseren Freunden Priorität einräumen, erfüllt das unser Leben mit Sinn, vermehrt unser täglich immer wieder neu erlebtes Glück und schützt uns somit vor Depressionen. Eheleute, die sich hin und wieder konstruktiv streiten, leben gesünder als Alleinstehende. Darüber hinaus ist die Sinnfindung ein wesentlicher Aspekt für ein erfülltes, glückreiches Leben. Auch ein Beruf, für den man sich berufen fühlt, ein Hobby, welches man mit voller Konzentration betreibt, ermöglicht ein erfülltes Leben mit einem Höchstmaß an Aktivität, Kreativität und tagtäglich erlebter Ausgeglichenheit.
Liebesfähigkeit setzt Achtsamkeit voraus. Und Achtsamkeit hat sehr viel mit der Wahrnehmung vom Sinn des Lebens an sich zu tun. Zwar ist achtlos das Gegenteil von achtsam, jedoch lebt nicht ein jeder, der nicht achtlos mit seinem Leben umgeht, schon in Achtsamkeit.

Albert Einstein sagte hierzu:

"Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als abgetrennt von allem anderen - eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst.“

In einer weiteren Unterweisung von Willigis Jäger heißt es:

"Ein Rabbi wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gelassen sein könne. Er sagte: 'Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich spreche, dann spreche ich...' Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort: 'Das tun wir doch auch, aber was machst Du noch darüber hinaus?' Er sagte wiederum: 'Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich spreche, dann spreche ich...' Wieder sagten die Leute: 'Das tun wir doch auch!' Er aber sagte zu ihnen: 'Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon; wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.'“

Achtsamkeit ist wohl die schwerste, aber auch wichtigste aszetische Übung. Sie ist eine ständige Unterbrechung der Ich-Befriedigung; denn der achtsame Mensch fließt nicht mehr mit dem Strom der Gewohnheit und lässt seinem Bewusstsein nicht den willkürlichen Lauf, der ein Vordringen in die Tiefen verhindern würde. Mit der Übung der Aufmerksamkeit werden wir in unser tiefes, wahres Selbst - also weg vom Ich - geführt und so nicht mehr von einer egoistischen Sichtweise beherrscht. Auch andere aszetische Übungen und Entbehrungen mögen zeitweise notwendig sein, wie z.B. Entzug von Schlaf, von Komfort, Nahrung und sexueller Befriedigung. Sie sollen den Zugang zu unseren tieferen Schichten erleichtern. Um in Kontakt zum wahren Leben zu kommen, scheint jedoch diese Übung der Achtsamkeit wichtiger als alle anderen.

Abschließend zu diesen Gedanken seien hier noch zwei nach wie vor höchst moderne Aspekte zu dem, was wir unter Liebe verstehen wollen, angeführt. So sagt Laotse, der Philosoph des Taoismus, die Pflicht ohne Liebe mache verdrießlich, Verantwortung ohne Liebe rücksichtslos, Gerechtigkeit ohne Liebe hart, Wahrheit ohne Liebe kritiksüchtig, Erziehung ohne Liebe widerspruchsvoll, Klugheit ohne Liebe gerissen, Freundlichkeit ohne Liebe heuchlerisch, Ordnung ohne Liebe kleinlich, Sachkenntnis ohne Liebe rechthaberisch, Macht ohne Liebe gewalttätig, Ehre ohne Liebe hochmütig, Besitz ohne Liebe geizig und Glaube ohne Liebe fanatisch.
Und Jesu Jünger Paulus schreibt über die Liebe (1 Kor 13, 1ff):

"Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihrem Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf."

Fürsorge und Achtsamkeit sind aber auch unabdingliche Voraussetzungen für das Verständnis und die Umsetzung einer ganzheitlichen Gesundheit.

Denn Gesundheit ist ein Geschenk, das man sich täglich selber machen muss. Ohne Körperverständnis, Körperwissen, Gesundheitsbewusstsein und ständiges Bewusstmachen der psychosozialen Bedeutung, die Gesundheit für einen selbst und personenübergreifend hat, ist gesundes Leben aber nicht möglich. Deshalb wollen wir Ihnen hier die Definition der Arbeitsgruppe "Mann und Gesundheit" der Männerbildung Bern (2000) näher bringen und für dieses Gesundheitsverständnis werben. Diese Definition hat nichts Männliches an sich, ist vielmehr klassisch geschlechterneutral zu sehen:

"Gesund sein im umfassenden Sinne heißt fähig sein, körperliche, emotionale, geistige und soziale Potenziale zur Entfaltung zu bringen. Gesundheit ist die Voraussetzung zur Erfüllung individueller, familiärer und sozialer Rollen im Leben. Gesundheit ermöglicht den Menschen, ihr Leben selber zu gestalten, ihre Lebensaufgaben zu erfüllen und darin Selbstachtung, Befriedigung und letztlich Sinnerfüllung zu finden. Damit trägt Gesundheit auch zum Funktionieren von Freundschaften, Familien und Gemeinschaften bei. Gesundheit in diesem umfassenden Sinne sollte für alle Menschen erreichbar sein."

 

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